Eyüp & Pierre Loti Hügel
Das spirituelle Herz Istanbuls und der schönste Blick auf das Goldene Horn
Eyüp: Das heiligste Viertel Istanbuls
Eyüp, gelegen am oberen Ende des Goldenen Horns, war einst eine bedeutende osmanische Siedlung vor den Stadtmauern und ist heute eines der malerischsten Ausflugsziele Istanbuls. Umschlossen von Hügeln, auf denen Zypressen und turbanbedeckte Grabsteine emporragen, ist Eyüp ein Ort der Abgeschiedenheit und eine Stätte frommer Beschaulichkeit.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich an den reizvollen Ufern von Eyüp kaiserliche Gärten und prachtvolle Sommerresidenzen, die den Sultanen als Erholungsorte dienten. Schon damals zogen die Istanbuler hierher, um an schattigen Quellen Picknicks zu genießen.
Muslime aus aller Welt pilgern nach Eyüp, das nach Eyüp Ensari benannt ist, nämlich dem legendären Bannerträger und Gefährten des Propheten Mohammed. In der religiösen Tradition hat dieser Ort eine so große Bedeutung, dass ein Besuch hier für viele Gläubige als ideale Einstimmung oder ehrenvoller Auftakt vor der großen Pilgerreise nach Mekka und Medina gilt. Besonders an religiösen Feiertagen herrscht hier ein reges Treiben wie in einem Bienenstock.
Sehenswürdigkeiten in Eyüp
Eyüp-Sultan-Moschee
Die Geschichte der Eyüp-Sultan-Moschee
Die Eyüp-Sultan-Moschee gilt als das bedeutendste islamische Heiligtum Istanbuls und rangiert in der islamischen Welt an bedeutender Stelle nach Mekka und Medina. Der Grund für diese tiefe Verehrung ist das Grabmal von Eyüp Ensari, einem engen Vertrauten (Sahaba) des Propheten, der dessen Fahne trug. Er soll im 7. Jahrhundert während der ersten arabischen Belagerung Konstantinopels (672–679) vor den Stadtmauern gefallen sein.
Der Überlieferung nach wurde seine Grabstätte fast 800 Jahre später, unmittelbar nach der Eroberung Konstantinopels durch Sultan Mehmed II., wiederentdeckt. Der Sultan ließ an dieser heiligen Stätte eine Moschee sowie ein prachtvolles Mausoleum errichten. Das heutige Erscheinungsbild der Moschee stammt jedoch aus dem Jahr 1800, als Sultan Selim III. das durch Erdbeben beschädigte Gebäude vollständig neu aufbauen ließ.
Während der osmanischen Ära hatte die Moschee eine zentrale staatspolitische Bedeutung: Nach jeder Inthronisierung im Topkapi-Palast fand hier die feierliche Schwertumgürtung statt. Diese Zeremonie entsprach in ihrer Bedeutung der Krönung europäischer Monarchen. Dabei wurde dem neuen Sultan das Schwert von Osman I., dem Gründer der Dynastie, umgelegtt: ein Symbol für seine Macht und seine Pflichten als Herrscher.
Das Grabmal von Eyüp Ensari: Bannerträger des Propheten
Dem Haupteingang der Moschee gegenüber, im Schatten einer riesigen Platane, liegt die eindrucksvolle Grabstätte von Eyüp Ensari. Diese Türbe (Grabmal) ist der bedeutendste Wallfahrtsort Istanbuls.
Oft sieht man Gläubige vor dem „Wunschfenster“ beten, um Beistand für ihre Sorgen zu erbitten. Es ist ein schöner Brauch, dass nach der Erfüllung eines Wunsches als Dankeschön Süßigkeiten im Hof der Moschee verteilt werden.
Es ist eine feste Tradition, dass Jungen vor ihrer Beschneidung in glänzenden Uniformen oder prächtigen Sultan-Kostümen das Grab besuchen, um Segen für diesen wichtigen Lebensabschnitt zu erbitten.
Heute steht die Grabstätte auch Nicht-Muslimen offen (Frauen werden gebeten, ein Kopftuch zu tragen). Besonders beeindruckend sind die Innen- und Außenwände, die mit einzigartigen Iznik-Fliesen geschmückt sind. Es handelt sich dabei um wahre Meisterwerke der osmanischen Keramikkunst.
Der Friedhof von Eyüp
Der Friedhof von Eyüp grenzt unmittelbar an die Moschee und zählt zu den ältesten und bedeutendsten muslimischen Begräbnisstätten Istanbuls. Über die Jahrhunderte entstand hier eine weitläufige Nekropole, in der hochrangige Staatsmänner und geistliche Größen ihre letzte Ruhe fanden.
Hier ruhen osmanische Sultane, Großwesire und Mitglieder der kaiserlichen Familie neben anerkannten Religionsgelehrten, Generälen sowie berühmten Dichtern und Wissenschaftlern.
Infolgedessen wurde Eyüp in der spätosmanischen Zeit zum bevorzugten Bestattungsort gläubiger Muslime: Während Würdenträger in prunkvollen Mausoleen nahe der heiligen Moschee ruhen, erstrecken sich die Gräber des einfachen Volkes über den dahinter ansteigenden Hügel.
Pierre Loti Hügel
Nach dem Besuch der Eyüp-Sultan-Moschee bietet es sich an, mit der Seilbahn auf den nach dem französischen Schriftsteller Pierre Loti benannten Aussichtshügel zu fahren. Es ist fast schon ein Muss, auf dem Gipfel im berühmten Pierre Loti Café eine Pause einzulegen und bei einem türkischen Tee oder Kaffee die Seele baumeln zu lassen.
Der Hügel ist einer der legendärsten Aussichtspunkte Istanbuls. Von der Terrasse des Cafés genießt man ein unvergleichliches Panorama über das Goldene Horn bis hin zu den Silhouetten der Altstadt.
Pierre Loti, eigentlich ein französischer Marineoffizier, kam 1876 zum ersten Mal nach Istanbul. Er verfiel dem Charme der Stadt am Bosporus und verarbeitete seine Eindrücke in zahlreichen Gedichten und Erzählungen.
1879 veröffentlichte er seinen ersten Roman „Aziyadé“, eine Geschichte über eine verbotene Liebe zu einer jungen Frau aus einem Harem. Das Buch wurde ein Bestseller und machte Lotis Leidenschaft für das orientalische Istanbul weltberühmt.
Pierre Loti Kaffeehaus
Ein Besuch im Inneren des Gebäudes ist absolut lohnenswert. Die Räume wurden aufwendig renoviert und originalgetreu im osmanischen Stil eingerichtet, was dem Ort eine unvergleichliche Authentizität verleiht.
Das Pierre Loti Kaffeehaus ist weit mehr als nur ein Aussichtspunkt; es ist ein Stück lebendige Geschichte. Die Wände sind mit Fotografien und Erinnerungsstücken aus vergangenen Zeiten geschmückt. Während man an seinem Tee nippt, fühlt man sich in eine andere Ära zurückversetzt. Ein magischer Ort für Literatur- und Geschichtsliebhaber, die das historische Istanbul von seiner romantischsten Seite erleben möchten.
Die „Spatzenschlösser“ von Eyüp
Ein kleiner Geheimtipp zum Schluss: Achten Sie bei Ihrem Spaziergang durch Eyüp auf die Details der historischen Fassaden. Ein besonders schönes Exemplar finden Sie an der Außenwand der oben erwähnten Şah Sultan Medresesi. Diese kunstvoll gestalteten osmanischen Vogelhäuser zeugen von der tiefen Naturverbundenheit und Barmherzigkeit der damaligen Zeit: sie boten den Vögeln Schutz und schmücken als filigrane Kunstwerke die Stadt.
Übrigens gibt es noch viele weitere dieser Miniatur-Paläste im Viertel zu entdecken. Einige davon verstecken sich sogar an den Mauern der großen Eyüp-Sultan-Moschee. Halten Sie bei Ihrem Besuch die Augen offen und begeben Sie sich auf eine kleine Entdeckungsreise!
Wo ist Eyüp in Istanbul?
Eyüp, befindet sich am Ende des Goldenen Horns und von Eminönü oder Karaköy ca. 25 km entfernt.
Wie kommt man nach Eyüp?
Eyüp ist sehr gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Am einfachsten erreicht man den Stadtteil über den zentralen Knotenpunkt Eminönü.
1. Etappe: Anreise nach Eminönü
Vom Taksim-Platz: Mit der Standseilbahn (Linie F1) nach Kabataş, dann mit der Straßenbahn (Linie T1) bis Eminönü.
Aus der Altstadt (Sultanahmet/Sirkeci): Direkt mit der Straßenbahn (Linie T1) bis Eminönü.
Von der asiatischen Seite (Üsküdar/Kadıköy): Mit der Fähre oder dem Marmaray direkt nach Eminönü bzw. Sirkeci.
2. Etappe: Von Eminönü nach Eyüp
Ab Eminönü nehmen Sie die moderne Straßenbahnlinie T5 (Eminönü – Alibeyköy). Diese fährt entlang des Goldenen Horns direkt bis zur Haltestelle Eyüpsultan Teleferik.