Fener und Balat

Istanbul Sehenswürdigkeiten am Goldenen Horn

Fener und Balat in Istanbul

Die Häuser sind in beliebigen fröhlichen Farben gestrichen, die Wäsche trocknet auf den Wäscheleinen zwischen den Fenstern, Kinder spielen auf den Straßen und die Spuren orthodoxer, jüdischer und armenischer Gemeinden sind immer noch vorhanden.

Die Gotteshäuser der verschiedenen Religionen, die kleinen Geschäfte, Handwerker, Galerien und trendigen Cafés verleihen dieser Gegend einen außergewöhnlichen Charme, der einem Besucher auf sehr eindrucksvolle Art verdeutlicht, eine neue Seite von Istanbul zu entdecken.

Um sich an Istanbul vollständig zu berauschen, reicht es nicht aus, nur die empfohlenen Sehenswürdigkeiten zu besichtien. Fener und Balat sind sicherlich diejenigen Stadtteile mit der reichsten Kulturgeschichte in Istanbul. Obwohl diese beiden geschichtlich bedeutsamen Stadtteile auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes stehen, werden sie von Touristen immer noch selten besucht.

Das Gewirr von kopfsteingepflasterten Gassen die auf und ab gehen, vermittelt das Gefühl, sich in einem Labyrinth voller Schätze zu befinden. Man verliert sich gerne in den bunten engen Gassen, weil die Atmosphäre wirklich einzigartig ist...

Fener: Der Vatikan der griechischen Orthodoxie

Alte Häuser in den gepflasterten Straßen von Fener Bunte alte Häuser in den gepflasterten Straßen von Fener

Der Name dieses Viertels wird vom Altgriechischen „Phanar“ (Leuchtturm) abgeleitet. Die Straßen sind voll von historischen Holzhäusern, Kirchen und Synagogen aus der byzantinischen und osmanischen Zeit.

Nach dem Fall von Konstantinopel im Jahr 1453 wurde das Viertel Fener die Heimat vieler Griechen. Das Patriarchat von Konstantinopel zog ebenfalls in diese Gegend und ist immer noch dort ansässig. Auf Grund dessen, wird Fener oft als Abkürzung für das ökumenische Patriarchat verwendet, genauso wie „Vatikan“ für den Heiligen Stuhl (Sancta Sedes) der römisch-katholischen Kirche verwendet wird.

Während der osmanischen Zeit wurden die griechischen Einwohner von Fener als „Phanarioten“ genannt und waren wichtige Assistenten des Sultans in verschiedenen Diensten und Ämtern.

Kaffeehäuser in Fener Kaffeehäuser in Fener

Das Griechische Gymnasium Fener (Die Rote Schule)

Das Griechische Gymnasium Fener (Die Rote Schule) Die Rote Schule in Fener

Weiter tiefer liegt ein großes Backsteingebäude, das in diesem Stadtteil die Silhouette stark bestimmt. Er beherbergt eine alte und ehrwürdige Schule: die Griechische Oberschule des Stadtteils Fener. Da diese Schule noch vor der Eroberung durch Osmanen gegründet worden war, ist sie die älteste Unterrichtsstätte der Stadt und auch die älteste weiterführende griechische Schule in Istanbul.

Während der osmanischen Periode blieb die Rote Schule als Bildungszentrum für die Griechen in Istanbul. Hier wurden viele sultanische Chefdolmetscher ausgebildet und auch Männer mit den großen Namen byzantinischer Geschlechter deren Einfluss an dem osmanischen Sultans-Palast Gewicht hatte.

Schulklassenzimmer der Roten Schule in Fener Schulklassenzimmer der „Roten Schule“ in Fener

Die im Volksmund genannte „Rote Schule“ die wir heute sehen, stammt allerdings aus dem Jahr 1881. Unter der großen Kuppel auf der Spitze des Gebäudes befindet sich ein Observatorium für den Astronomieunterricht und es beinhaltet ein großes Teleskop.

Die Schule hat heute 15 griechische und 6 türkische Lehrer. Aufgrund der Gesetze hat die Schule neben dem türkischen Lehrplan, zusätzlich griechische Fächer (Literatur, Griechische Sprache und Religion).

Ökumenisches Patriarchat und Georgskathedrale

Ökumenisches Patriarchat Konstantinopels Ökumenisches Patriarchat

Man kann kaum glauben, dass in diesem so bescheidenen Ambiente sich das Zentrum der orthodoxen Kirche befand.

Das Patriarchat ist eine autokephale (eigenständige) orthodoxe Kirche. Sein Oberhaupt ist der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, der weltweit als „Primus inter pares“ (Erster unter Gleichen) von etwa 350 Millionen orthodoxen Christen galt. Das Patriarchat hat seit 1601 an dieser Stätte seinen Sitz.

Auch noch der heutige Patriarch sich gerne als geistiges Zentrum aller Ostkirchen betrachtet, trotzdem beschränkt sich seine irdische Verfügungsgewalt nur noch auf kleinere Gemeinde der Griechen Istanbuls und einiger türkischer Orte sowie auf die Griechenland gehörenden Inseln des Dodekanes (Dodeka = zwölf: eine Inselgruppe in der östlichen Ägäis, die seit 1948 zu Griechenland gehört).

Beim Eintreten fällt ins Auge, dass das Mitteltor fest verschlossen und schwarz übermalt ist. Dies soll noch heute daran erinnern, dass unter diesem Haupttor im 1821 nach dem Ostergottesdienst, der Patriarch Gregorius V., wegen Hochverrats gegen osmanische Staatsgewalt gehängt wurde. Damals hatte in Griechenland der Unabhängigkeitskrieg gegen die Herrschaft der Osmanen begonnen.

Georgskirche: Kathedrale des Ökumenischen Patriarchen

Georgskathedrale Georgskathedrale

Die zum Patriarchat gehörende schöne Kirche Hagios Georgios stammt aus dem Jahre 1720. Die sehenswerten Ikonen, Madonnenbilder und Mosaiken in ihrem Inneren sind größtenteils erheblich älter. Außerdem, werden hier auch wertvolle heilige Reliquien aufbewahrt.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes liegen die anderen Einrichtungen des Patriarchats. Abgesehen von der Bibliothek, die ein eindrucksvolles altes Gebäude ist, sind alles bauten neuerer Zeit.


Gottesdienst in der Patriarchenkirche Hagios Georgios

Die Bibliothek des Patriarchats

Die Bibliothek des Patriarchats ist eines der bedeutendsten Archive der Welt. In dieser Bibliothek werden Dokumente wie Manuskripte, Erlasse des Sultans (Ferman), Miniaturen, Gemälde und Fotografien aufbewahrt.

In der Bibliothek befinden sich 65.000 Bücherbände, davon 40.000 in Heybeliada (Die zweitgrößte der Prinzeninseln im Marmarameer) und 26.000 in Fener, die größtenteils aus Spenden bestehen. Etwa 1.000 davon sind Manuskripte. Für die Nutzung der Bibliothek ist eine Genehmigung erforderlich.

Sankt Stefan: Die Eiserne Kirche in Fener

Die Eiserne Kirche Die eiserne St. Stefan Kirche in Fener

Mehrere Jahrhunderte unterstanden die bulgarisch-orthodoxen Christen im Osmanischen Reich dem ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel in Fener, in dessen Kirchen sie auch ihre Gottesdienste abhielten.

Die bulgarische Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts forderte jedoch die Gründung einer separaten Kirche für bulgarisch-orthodoxe Christen, da sie das Pener-Patriarchat überwiegend als eine griechische Institution betrachteten.

Diese Bemühungen gipfelten in der Anerkennung des bulgarischen Exarchats durch einen Erlass, der vom osmanischen Sultan Abdülaziz ausgestellt wurde.

Die Legende der Eisernen Kirche

Einer populären Legende zufolge war Sultan Abdülaziz abgeneigt, der bulgarisch-orthodoxen Minderheit Istanbuls den Bau ihrer eigenen Kirche zu erlauben. Den Bauplan in einer Weise zu „genehmigen“, das gleichzeitig die Ausführung einer Bauarbeit unmöglich macht, verlangte der Sultan, dass die Kirche innerhalb eines einzigen Monats fertiggestellt werden musste.

Das war der Grund warum die Bulgaren eine vorfabrizierte Kirche in Wien bestellt und bis Istanbul transportiert haben. Aber wie so viele fantastische Legenden ist die Geschichte von der Herausforderung des Sultans und dem bulgarischen Erfolg nicht ganz wahr.

Die Baugeschichte der Eisernen Kirche

Die Eiserne Kirche in Fener Die Ikonostase der „Eisernen Kirche“ in Fener

Weil sie tatsächlich völlig aus Gusseisen errichtet ist, wird diese am Ufer gelegene Basilika auch als „Eiserne Kirche“ genannt. Diese Bezeichnung geht auf die Baugeschichte zurück:

Die Gusseisenteile der ganzen Kirche wurden in Wien vorfabriziert, über die Donau und das Schwarze Meer nach Istanbul geschippert und an ihrer heutigen Stelle, -neben dem Vorgänger-Bauwerk der alten Holzkirche- zusammenmontiert. Kurz darauf wurde die alte Holzkirche abgerissen.

Die am 8. September 1898 geweihte Kirche Hl. Stefan ist heute eine der wenigen noch erhalten gebliebenen Eisenkirchen der Welt.

Nach Restaurierungsarbeiten wurde die Kirche 2018 feierlich wiedereröffnet. Die bulgarische Kirche wird nach wie vor von der orthodoxen Gemeinde genutzt und zieht heute mit ihrer Pracht viele Besucher an.

Balat: Ein altes jüdisches Viertel

Balat am Goldenen Horn Balat am Goldenen Horn

Gleich neben dem Stadtteil Fener liegt Balat, das ehemalige jüdische Viertel Istanbuls. Ein Stadtteil wie Fener mit irrsinnig viel Geschichte, vielen bunten Häusern und sehr wenig Touristen. Eine ideale Kombination dem Trubel in der Altstadt zu entkommen.

Der ganze Stadtteil Balat besteht aus Gassen mit alten, historischen Häusern, die meist in pastel Farben gestrichen sind. Einige der alten Häuser sind in gutem Zustand und original treu restauriert, andere sind aber leider fast verfallen.

Balat - Bunte Häuser und die Treppen Balat - Bunte Häuser und die Treppen

Balat entwickelte sich ab 1492, als die unter der spanischen Inquisition verfolgten Juden vom osmanischen Sultan empfangen wurden, der sogar seine Flotte nach Spanien schickte, um sie zu retten. Der Stadtteil entwickelte sich daraufhin zu einem wichtigen Handelszentrum. Als im 19 Jh. viele Juden in modernere Stadtteile (Galata, Pera) übersiedelten, verlor Balat an Bedeutung.

Kaffeehaus in Balat Ein kleines Kaffeehaus in Balat

Weniger der Synagogen wegen lohnt sich eine Besichtigung Balats. Es ist der überlieferte Charme des alten Istanbuls, der hier wie kaum woanders in der Millionenstadt erhalten geblieben ist. Balat fasziniert die Besucher auch mit seinen bunten trendigen Cafés, Restaurants und Retro-Läden. Der Reiz dieses Viertels liegt genau darin, einfach durch die vielen kleinen Gassen zu schlendern.

Buchhandlung in Balat Eine Buchhandlung in Balat

Übrigens in Balat gibt es viele kleine Antiquitätenhändler, wo man von Schmuck und Kleidung bis zu Möbelstücken alles finden kann. Wenn Sie Glück haben findet vielleicht gerade eine Versteigerung statt in der Sie ganz unverbindlich teilnehmen können.

Wo ist Fener und Balat in Istanbul?

Wo ist Fener und Balat in Istanbul
Fener und Balat, befinden sich am Südufer des Goldenen Horns in der Altstadt und von Eminönü oder Karaköy ca. 5 km entfernt,

Wie kommt man nach Fener und Balat?

Die erste Etappen:
Vom Taksim-Platz: Mit der Metro nach Kabataş (Linie F1, Taksim-Kabataş).
Dann mit der Straßenbahn nach Karaköy (Linie T1)
Altstadt Hotels: Mit der Straßenbahn nach Karaköy (Linie T1).
Hotels der asiatischen Seite Istanbuls: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Üsküdar.

Die zweite Etappe: Die Fähre
Sie können die öffentliche Fähre Golden Horn Linie (Üsküdar-Haliç Linie) zwischen Üsküdar-Eyüp nehmen und am Fener-Anleger aussteigen. Anlegestellen: Üsküdar, Karaköy, Kasımpaşa, Fener, Balat, Hasköy, Ayvansaray, Sütlüce und Eyüp.


Diese Seiten könnten Sie auch interessieren