Hagia Sophia

Sehenswürdigkeiten in Istanbul

Hagia Sophia Istanbul

Die Hagia Sophia gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Istanbul und zählt sowohl aus kunstgeschichtlicher als auch architektonischer Sicht, zu einem der herausragendsten Bauten der Weltarchitekturgeschichte.

Der Bau, der ursprünglich Hagia Sophia hieß und von den Türken „Ayasofya“ genannt wird, ist nicht einer Heiligen namens Sophia, sondern der „göttlichen Weisheit“ gewidmet.

Diese prächtige byzantinische Basilika war bis zur Einnahme Istanbuls durch die Osmanen fast tausend Jahre lang das geistliche Zentrum des Byzantinischen Reiches. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 war sie knapp 500 Jahre eine Moschee. Zwischen 1935 und 2020 diente sie als Museum und wird seit 2020 wieder als Moschee genutzt.

Die Geschichte der Hagia Sophia

An der Stelle, wo einst ein vorchristlicher Tempel stand, entstanden im Laufe der Zeit drei Basiliken.

Die erste Kirche mit Holzdach, die „Megale Ekklesia“ (Große Kirche) wurde 360 n. Chr. unter der Herrschaft von Constantius II., dem Sohn von Kaiser Konstantin dem Großen, fertiggestellt. Ein Brand, der während eines Aufstands im Jahr 404 ausbrach, zerstörte dieses Gebäude.

Theodosius II. errichtete die zweite Kirche 415 als eine fünfschiffige Basilika, die 532 während des Nika-Aufstands ebenfalls den Flammen zum Opfer fiel. Dieser blutige Aufstand entstand nach einem Wagenrennen im Hippodrom und richtete sich gegen Kaiser Justinian. Zehntausende wurden getötet und viele Bauwerke -unter anderem auch die zweite Hagia Sophia- wurden niedergebrannt.

Sechs Wochen später legte Justinian den Grundstein für die dritte Kirche. Nach schriftlichen Überlieferungen, ließ der Kaiser bauen, ohne die Kosten zu scheuen und rief aus allen Gebieten geschickte Werkleute zusammen. Während der Bauarbeiten wurden zehntausend Arbeiter unter der Leitung von einhundert Meistern beschäftigt.

Die Bauleitung wurde Anthemios von Tralleis übernommen, einem der besten Mathematiker und Physiker seiner Zeit. Ihm stand Isidoros von Milet, -der bedeutendste Geometer der Spätantike-, zur Seite. Als Anthemios 532 starb, übernahm Isidoros die Bauleitung. Nach fünf Jahren Bauzeit, gegen Ende des Jahres 537 entstand eine riesige Kuppelbasilika, eine Synthese aus Zentral- und Kuppelbau.

Am Stephanstag im Dezember 537 weihte Justinian die neue Hagia Sophia ein. Als er durch die kaiserliche Pforte getreten war, rief voller Freude:

„Preis und Ehre sei Gott, der mich für würdig hielt ein solches Werk zu vollenden. Salamo, ich habe dich übertroffen.“

Hagia Sophia Kirche Istanbul Hagia Sophia

Erst 553 und dann 558 stürzte die extrem flache Kuppel beim Erdbeben ein. Justinian der diese Katastrophen noch erlebte, beauftragte den Neffen von Isidoros mit dem Wiederaufbau. Isidoros reduzierte den Durchmesser der Kuppel und baute sie etwa sechs Meter höher als zuvor, damit der Kuppelschub eher nach unten als nach außen drücke.

In den folgenden Jahrhunderten musste die Hagia Sophia mehrfach restauriert werden. 1317 wurden die ersten Mauerverstärkungen angebracht. Die Minarette wurden nach der Eroberung in verschiedenen Perioden der osmanischen Zeit hinzugefügt. Im 16. Jahrhundert wurden die ersten Strebepfeiler und Widerlager ausgebaut.

Restaurierungen

Unter Sultan Abdülmecid I. (1847-49) erfolgte eine gründliche Restaurierung durch zwei Architekten (die Gebrüder Fossati aus der Schweiz), wobei einige weißgetünchte Mosaike freigelegt wurden.

In den Jahren 1930–35 wurden auf Anweisung Atatürks die ersten wissenschaftlichen Forschungen gestartet und durch das Amerikanische Byzantinische Institut gründliche Restaurierungen durchgeführt.

Hagia Sophia Innenraum Innenraum der Hagia Sophia

Führung durch die Hagia Sophia

Eingang und der Vorhof

Der Eingang in den Vorhof liegt an der Südseite. Das ursprüngliche weite Atrium (Vorhof einer christlichen Basilika) im Westen ist längst verschwunden. Man sieht hier die Überreste verschiedener Marmorsäulen, Trommeln und Kapitelle der alten Vorgänger-Kirchen.

Für gewöhnlich betritt man das Gebäude von der Westseite. Neben dem Eingang linker Hand sind Reste der im Jahre 415 geweihten, zweiten Hagia Sophia zu sehen.

Um in den Hauptraum der ehemaligen Basilika (heute der Gebetsraum der Moschee) zu gelangen muss man durch zwei Vorhallen gehen. Die äußere Vorhalle (Exonarthex) ist durch fünf bronzene Tore mit der inneren Vorhalle (Endonarthex) verbunden, die wiederum durch neun weitere Tore mit dem Hauptgebäude verbunden ist.

Die mittlere Tür (Kaisertor), durch die der Kaiser den Hauptraum betrat, ist der einzige Durchgang, der keinen Rahmen aus Marmor, sondern aus Bronze hat, der früher sogar mit Silber verkleidet war. Bevor der Kaiser den heiligen Boden betrat, legte er hier Schwert und Krone ab und die Soldaten seiner Leibgarde warteten, solange bis er vom Gottesdienst zurückkam.

Mosaikbild über dem Kaisertor Mosaikbild über dem Kaisertor

Über diesem Tor befindet sich ein sehr schönes Mosaikbild aus dem 9. Jahrhundert, das Christus auf einem juwelenbesetzten Thron darstellt. Die rechte Hand ist in segnender Gebärde erhoben. Die linke Hand hält ein aufgeschlagenes Evangelium auf seinem Knie. Eine Inschrift mit den griechischen Worten verkündet: „Friede sei mit euch, ich bin das Licht der Welt“.

Zwei Medaillons die in Schulterhöhe des Erlösers schweben, zeigen links Mutter Maria und rechts den Erzengel Gabriel. Im unteren Bereich der Darstellung sehen wir den Kaiser Leo VI (886-912) der schuldbewusst zu Füßen Christi kniet, weil er durch seine vier Eheschließungen gegen das damalige orthodoxe Recht verstoßen hatte.

Der Hauptraum der Hagia Sophia

Ihre innere Gestalt weckt die gleiche Bewunderung wie das Äußere der Hagia Sophia. Schon nach den ersten paar Schritten spürt man die Wirkung einer riesigen Kuppel. Die Zentralkuppel bedeckt fast das gesamte Gebäude und erweckt mit ihren 40 Fenstern den Eindruck, als ob sie im Freien schweben würde.

Kuppel der Hagia Sophia Kuppel der Hagia Sophia

Sie ist aus leichten Ziegeln von Rhodos gebaut. Die Höhe im Scheitel beträgt 55,60 m und sie ist wegen Restaurierungen leicht elliptisch im Grundriss. Sie misst von Nord nach Süd 31.87 m, von Ost nach West 30.87 m im Durchmesser und wird von vier massiven, blockartigen Stützpfeilern getragen.

Die beiden Halbkuppeln im Osten und Westen nehmen den seitlichen Schub der Zentralkuppel gleichmäßig auf. In den Eckzwickeln „Pendentifs“ befinden sich jeweils Freskenbilder einer Engelsfigur „Seraphim“ mit verhüllten Gesichtern. Nach der letzten Restaurierung kam das Gesicht eines der vier Seraphim zum Vorschein, das fast 700 Jahre lang niemand sehen durfte.

Hagia Sophia Seraphim Nahaufnahme Hagia Sophia Seraphim Nahaufnahme

Die Mosaiken in der Halbkuppel der Apsis zeigen Maria mit dem Christusknaben. Ein schönes, dunkelblaues Gewand hüllt ihre Figur ein, die mit drei kleinen Kreuzen auf dem Kopftuch über der Stirn und auf den Schultern verziert ist. Die rechte Hand der Maria ruht auf der Schulter des Knaben und die Linke auf seinem Knie.

Das Christuskind trägt ein Goldkleid und Sandalen. Er hebt seine rechte Hand im segnenden Gestus an, während die Linke eine Schriftrolle ergreift. Auf den beiden Seiten des Bogens sind zwei Engelsfiguren dargestellt. Das Mosaikbild rechts zeigt den Erzengel Gabriel, dem ein Flügel fehlt. Gegenüber im Bogen links, sieht man die Reste des Mosaikbildes von Erzengel Michael.

Mosaikbild in der Halbkuppel der Apsis Mosaikbild in der Halbkuppel der Apsis

Die Wände und Decken, die mit Marmor und Mosaiken bezogen sind farbig gehalten. Die drei verschiedenen Schattierungen der Kuppelmosaiken zeugen von den drei verschiedenen Epochen, in denen die Restaurierungen vorgenommen wurden. Übrigens, die Kuppel gilt in ihrer Höhe und im Durchmesser als eine der wenigen Großen der Welt.

Das gesamte Bauwerk wird von 40 Säulen im unteren und 67 im oberen Bereich; insgesamt von 107 Säulen getragen. Die meisten Säulen sind älter als das Gebäude und wurden von anderen alten Tempeln herbeigeschafft. Die acht Säulen aus rotem Porphyr, die aus dem Venus-Tempel in Baalbek stammen, stehen zu je zwei an den vier Ecken des Hauptschiffes.

Die ausgezeichnete Verarbeitung des Marmors auf den Kapitellen, wo die Formen tief eingraviert und durch Licht- und Schatteneffekte hervorgehoben sind, waren typische Merkmale der byzantinischen Kunst. Es ist eine weiterentwickelte Form der spätantiken Akanthuskapitelle, die auch als Korbkapitell genannt wird. Manche der Kapitelle sind mit den Monogrammen Justinians und der Theodora versehen.

Die Kronleuchter, die an der Kuppel tief hängen und im Raum verstreut sind, bestehen aus Holz und Leichtmetall und stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Hagia Sophia Krönungsplatz Hagia Sophia Krönungsplatz (Omphalion)

Unübersehbar ist auch die Einlegearbeit des quadratischen Bodenmosaiks „Omphalos“ (Nabel) im südöstlichen Teil des Hauptschiffes, ausgelegt mit vielfarbigen, runden Granit- und Porphyrplatten. Kleinere Kreise gruppieren sich um eine große kreisförmige Fläche, die ineinander greifen und eine quadratische Fläche ausfüllen.

Hier wurden roter und grüner Porphyr, Granit sowie Verde Antico „Krokeischer Stein“ zusammengestellt. In späteren Zeiten des Byzantinischen Reiches fanden hier offensichtlich die Kaiserkrönungen statt.

Im Westen des Nordschiffes steht die bekannte „Schwitzende Säule“, die sich heute noch feucht anfühlt und seit der alten Zeit als „wunderwirkend“ angesehen wird.

Ayasofya Moschee in der osmanischen Zeit Ayasofya Moschee: Lithografie Louis Haghe (1852)

Islamische Ausstattung der Ayasofya Moschee

Die ehemalige Apsis der Sophienkirche wurde in der islamischen Zeit in eine Gebetsnische in Richtung nach Mekka umgewandelt. Die beiden Riesenkerzen die Mihrab „Gebetsnische“ flankieren sind tatsächlich aus Wachs und gestiftet von Sultan Süleyman I. nach dem Feldzug nach Ungarn.

Links von der Gebetsnische der Ayasofya Moschee steht die Loge des Sultans „Hünkâr Mahfili“, ein Werk von Gaspar Fossati (19. Jh.). Auf der rechten Seite befindet sich der Mimber „Freitagskanzel“ und davor das marmorne Podest „Müezzin Mahfili“; eine Müezzintribune wo Koran gelesen wird.

Ayasofya Moschee Ayasofya Moschee

Die beiden 2 m hohen runden Marmorgefäße in den Nischen an der Westseite, stammen aus Pergamon und wurden im 16. Jahrhundert durch Sultan Murat III. in die „Ayasofya“ Moschee eingeführt. Sie dienten als Wassergefäße für Erfrischungen.

Die schöne arabische Inschrift in der Spitze der Hauptkuppel ist der 35. Vers aus der 24. Sure des Korans; der sogenannte „Lichtvers“. „Allah ist das Licht der Himmel und der Erde...“. Der Lichtvers, zusammen mit den 8 riesigen runden Tafeln mit einem Durchmesser von 8 m, sind wiederum aus der islamischen Zeit der Hagia Sophia.

Auf den runden Tafeln stehen in arabischer Schrift die Namen Allahs, Mohammeds, der vier Kalifen (Ebu Bekir, Ömer, Osman, Ali) und beiden Enkelsöhne Mohammeds; Hasan und Hüseyin.

Ausgang und der Garten

Nach der Besichtigung des Hauptraumes kehren wir wieder zur inneren Vorhalle zurück. Linker Hand, am südlichen Ende der inneren Vorhalle (heute als Ausgang gekennzeichnet) liegt die „Vorhalle der Krieger“. In diesem Raum wartete die Garde auf den Kaiser, bis er aus dem Gottesdienst zurückkam.

Hagia Sophia Waschungsbrunnen Stiftermosaik: Maria, Kaiser Justinian und Kaiser Konstantin.

Das große Mosaik über dem Durchgang stammt aus dem 10. Jahrhundert und wurde 1933 wiederentdeckt, nachdem es viele Jahrhunderte unter Verputzt und Tünche verborgen war. In der Mitte sieht man die thronende Gottesmutter mit dem Christusknaben auf dem Schoß, als sie zweier Kaiser empfängt.

Rechts Konstantin der Große, der das Modell seiner Stadt „Konstantinopels“- und links Kaiser Justinian der die von Ihm erbaute Hagia Sophia, der Maria überreichen. Durch diesen Durchgang, der früher den Namen Orea Porta „Schöne Pforte“ trug, gelangt man heute in den Garten an der Südseite.

Ayasofya Moschee Waschungsbrunnen Ayasofya Moschee Waschungsbrunnen (Şadırvan)

Gleich nach dem Betreten des Gartens sieht man türkische Bauwerke aus verschiedenen Zeiten der osmanischen Periode. Wenden wir uns nun nach rechts, so fällt dort der „Şadırvan“ (Reinigungsbrunnen) aus dem Jahre 1740 in die Augen.

Hier haben die Gläubigen ihre Waschungen vor dem Gebet durchgeführt. Mit seiner auf Säulen ruhenden Kuppel der meisterhaften Stein- und Metallverarbeitung, bietet er ein wertvolles Beispiel über die osmanische Architektur.

Kaum anderer Moschee-brunnen- zeigt so wie er, die Merkmale der spätosmanischen Architektur. Seine fröhlich bunte Ornamentik, sein filigranhaftes Bronzegitter mit den fein im Relief geschnittenen Marmorplatten machen ihn zu einem sehr reizvollen Spätwerk osmanischer Baukunst.

Ayasofya Moschee Grundschule Ayasofya Moschee Grundschule

Das Gebäude neben dem Brunnen ist eine Grundschule die im 1742 errichtet wurde.

Das kleine Gebäude direkt vor dem Gartenausgang links wurde 1847–49 von Fossatis fertiggestellt. Es diente als „Muvakkithane“, das Haus und Observatorium des die Gebetszeiten festsetzenden Astronomen der Moschee, dessen Sonnenuhr links vom Ausgang an der Fassade der Hagia Sophia noch zu sehen ist.

Ayasofya Moschee Sonnenuhr Ayasofya Moschee Sonnenuhr

Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Hagia Sophia

In der Nähe der Hagia Sophia gibt es weitere Sehenswürdigkeiten, die Sie in 5 bis 10 Minuten zu Fuß erreichen können.

Die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung der Hagia Sophia:

Wo ist die Hagia Sophia in Istanbul?

Wo ist die Hagia Sophia in Istanbul
Die Hagia Sophia befindet sich in Sultanahmet, gegenüber der Blauen Moschee neben dem Topkapi Palast.

Die nächstgelegene Straßenbahnstation „Sultanahmet“ (Linie T1) befindet sich etwa fünf Gehminuten von der Hagia Sophia entfernt.

Wie kommt man zur Hagia Sophia?

Vom Taksim-Platz: Mit der Standseilbahn nach Kabataş. Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Altstadt Hotels: Mit der Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Hotels der asiatischen Seite Istanbuls: Mit öffentlichen Fähren nach Eminönü. Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).


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