Hagia Sophia Istanbul: Vom Weltwunder zur Moschee
Die 1500-jährige Geschichte eines UNESCO-Weltkulturerbes
Die Hagia Sophia in Istanbul ist ein architektonisches Wunderwerk von weltgeschichtlicher Bedeutung. Seit über 1500 Jahren steht dieses UNESCO-Weltkulturerbe als stummer Zeuge wechselnder Reiche. Ihre Funktion als Gotteshaus wandelte sich von einer byzantinischen Kirche über eine osmanische Moschee bis hin zum weltlichen Museum. Seit 2020 wird sie erneut als Moschee genutzt, während die prachtvollen Emporen mit ihren bedeutenden Mosaiken den Besuchern weiterhin offenstehen.
Doch was macht die Hagia Sophia Istanbul so einzigartig? Wie gelang es byzantinischen Baumeistern vor 15 Jahrhunderten, eine Kuppel von solcher Größe zu errichten, dass sie als "achtes Weltwunder" bezeichnet wurde? Warum scheinen die massiven Marmorwände trotz ihrer Monumentalität beinahe schwerelos? Und welche verborgenen Geschichten erzählen die goldenen Mosaike in den oberen Galerien?
In diesem umfassenden Guide zur Hagia Sophia Istanbul erfahren Sie nicht nur alles über Geschichte und Architektur, sondern erhalten auch praktische Tipps für Ihren Besuch: aktuelle Eintrittspreise, Öffnungszeiten sowie die Kleidervorschriften für einen reibungslosen Moscheebesuch.
Was bedeutet der Name Hagia Sophia?
Der Name bezieht sich nicht auf eine Heilige namens Sophia, sondern auf die „göttliche Weisheit“. Hagia Sophia bedeutet wörtlich „Heilige Weisheit“ und verweist damit auf eine tiefere spirituelle Bedeutung.
Welche Maße hat das Bauwerk?
Die Maße der Hagia Sophia deuten auf eine nahezu quadratische Form hin. Mit einer Länge von 82 Metern und einer Breite von 73 Metern ergibt sich eine Gesamtfläche von 5.986 Quadratmetern. Die Hauptkuppel erreicht am Scheitelpunkt 55,60 Meter.
- Die Geschichte der Hagia Sophia
- Restaurierungen
- Besichtigung und Führung durch die Hagia Sophia
- Eingang und der Vorhof
- Der Hauptraum
- Hagia Sophia Moschee
- Die Emporen und Mosaiken
- Ausgang und der Garten
- Was kostet der Eintritt in Hagia Sophia?
- Kleidervorschriften für die Hagia Sophia
- Hagia Sophia Öffnungszeiten in 2026
- Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Hagia Sophia
- Wo ist die Hagia Sophia in Istanbul?
- Wie kommt man zur Hagia Sophia?
Die Geschichte der Hagia Sophia
Das byzantinische Wunderwerk hat eine faszinierende Geschichte, die über 1500 Jahre zurückreicht. Als architektonisches Zeugnis für kulturelle Vielfalt Istanbuls wurde es im Laufe der Geschichte Zeuge zahlreicher historischer Ereignisse und Veränderungen.
Unter verschiedenen Herrschaften, von den Byzantinern über die Osmanen bis zur modernen Türkei, hat die Hagia Sophia ihre Funktion mehrmals gewechselt. Dieses bemerkenswerte Gebäude spiegelt nicht nur die wechselhafte Geschichte Istanbuls wider, sondern auch die Verbindung zwischen verschiedenen Kulturen und Glaubensrichtungen.
An der Stelle, wo einst ein vorchristlicher Tempel stand, entstanden im Laufe der Geschichte drei Kirchen.
Die Geschichte der ersten Kirche:
Die Geschichte der ersten Kirche reicht bis ins 4. Jahrhundert zurück. Die erste Basilika mit einem Holzdach, die unter dem Namen „Megale Ekklesia“ (Große Kirche) bekannt war, wurde im Jahr 360 n. Chr. unter der Herrschaft von Constantius II., dem Sohn von Kaiser Konstantin dem Großen, fertiggestellt. Ein Brand, der während eines Aufstands im Jahr 404 ausbrach, zerstörte dieses Gebäude.
Die Geschichte der zweiten Kirche:
Theodosius II. errichtete die zweite Kirche im Jahr 415 als eine fünfschiffige Basilika, die 532 während des Nika-Aufstands ebenfalls den Flammen zum Opfer fiel. Dieser blutige Aufstand entstand nach einem Wagenrennen im Hippodrom und richtete sich gegen Kaiser Justinian. Tausende wurden getötet und viele Bauwerke, darunter auch die zweite Hagia Sophia, wurden niedergebrannt.
Die Geschichte der dritten Kirche:
Die Geschichte der dritten Hagia Sophia beginnt mit einer außergewöhnlichen Entscheidung von Kaiser Justinian. Sechs Wochen später legte der Kaiser den Grundstein für die dritte Kirche.
Gemäß historischen Überlieferungen ließ der Kaiser bauen, ohne die Kosten zu scheuen und rief aus allen Gebieten geschickte Werkleute zusammen. Während der Bauarbeiten wurden zehntausend Arbeiter unter der Leitung von einhundert Baumeistern beschäftigt.
Die Bauleitung wurde von Anthemios von Tralleis übernommen, einem der herausragendsten Mathematiker und Physiker seiner Zeit. Ihm zur Seite stand Isidoros von Milet, der bedeutendste Geometer der Spätantike. Nach dem Tod von Anthemios im Jahr 532 übernahm Isidoros die Bauleitung. Nach fünf Jahren Bauzeit entstand gegen Ende des Jahres 537 eine riesige Kuppelbasilika, die eine Synthese aus Zentral- und Kuppelbau darstellte.
Am Stephanstag im Dezember 537 weihte Justinian die neue Hagia Sophia ein. Als er durch die kaiserliche Pforte trat, rief er voller Freude:
„Preis und Ehre sei Gott, der mich für würdig hielt, ein solches Werk zu vollenden. Salomo, ich habe dich übertroffen“
Erst 553 und dann 558 stürzte die extrem flache Kuppel bei Erdbeben ein. Justinian, der diese Katastrophen noch erlebte, beauftragte den Neffen von Isidoros mit dem Wiederaufbau. Er verringerte den Durchmesser der Kuppel und baute sie etwa sechs Meter höher als zuvor, damit der Kuppelschub eher nach unten als nach außen drückte.
In den folgenden Jahrhunderten musste die Hagia Sophia mehrfach restauriert werden. 1317 wurden die ersten Mauerverstärkungen angebracht. Die Minarette wurden in verschiedenen Perioden der osmanischen Zeit nach der Eroberung hinzugefügt.
Im 16. Jahrhundert wurden durch den berühmten osmanischen Architekten Mimar Sinan die massiven Strebepfeiler errichtet, die dem Gebäude seine heutige Stabilität verleihen.
Restaurierungen
Unter Sultan Abdülmecid I. (1847-1849) erfolgte eine gründliche Restaurierung durch zwei Architekten (die Gebrüder Fossati aus der Schweiz), wobei einige weißgetünchte Mosaike freigelegt wurden.
In den Jahren 1930-1935 wurden auf Anweisung von Atatürk die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen durchgeführt und umfangreiche Restaurierungen vom Amerikanischen Byzantinischen Institut durchgeführt.
Führung durch die Hagia Sophia
Eingang und der Vorhof
Bitte beachten Sie: Das Erdgeschoss darf heute nur von muslimischen Gläubigen betreten werden, die die Hagia Sophia zum Gebet aufsuchen. Die Ticketstände und der Eingang zur Hagia Sophia für ausländische Gäste liegen gegenüber dem Haupttor des Topkapi-Palastes.
Der Eingang der Hagia Sophia Moschee befindet sich heute auf der gegenüberliegenden Seite der Blauen Moschee. Das ursprüngliche große Atrium (Vorhof einer christlichen Basilika) existiert nicht mehr. Hier sind die Überreste verschiedener Marmorsäulen, Trommeln und Kapitelle der früheren Vorgängerkirchen zu sehen.
Für gewöhnlich betritt man das Gebäude von der Westseite. Links neben dem Eingang sind Überreste der im Jahr 415 geweihten zweiten Hagia Sophia zu sehen.
Um in den Hauptraum der ehemaligen Basilika (heute der Gebetsraum der Hagia Sophia Moschee) zu gelangen, muss man durch zwei Vorhallen gehen. Die äußere Vorhalle (Exonarthex) ist durch fünf bronzene Tore mit der inneren Vorhalle (Endonarthex) verbunden, die wiederum durch neun weitere Tore mit dem Hauptgebäude verbunden ist.
Das mittlere Tor (Kaisertor), durch das der Kaiser den Hauptraum betrat, ist der einzige Durchgang, der keinen Marmorrahmen, sondern einen aus Bronze hat, der früher sogar mit Silber verkleidet war. Bevor der Kaiser den heiligen Boden betrat, legte er hier sein Schwert und seine Krone ab, und die Soldaten seiner Leibgarde warteten, solange bis er vom Gottesdienst zurückkam.
Über diesem Tor befindet sich ein sehr schönes Mosaikbild aus dem 9. Jahrhundert, das Christus auf einem mit Juwelen besetzten Thron zeigt. Seine rechte Hand ist in einer segnenden Geste erhoben, während er in seiner linken Hand ein aufgeschlagenes Evangelium auf seinem Knie hält. Eine Inschrift mit den griechischen Worten verkündet: „Friede sei mit euch, ich bin das Licht der Welt“.
Zwei Medaillons die in Schulterhöhe des Erlösers schweben, zeigen links die Mutter Maria und rechts den Erzengel Gabriel. Im unteren Bereich der Darstellung sehen wir Kaiser Leo VI. (886-912), der schuldbewusst zu den Füßen Christi kniet, weil er durch seine vier Eheschließungen gegen das damalige orthodoxe Recht verstoßen hatte.
Der Hauptraum
Die Kuppel der Hagia Sophia
Ihre innere Gestalt weckt die gleiche Bewunderung wie das Äußere der Hagia Sophia. Schon nach den ersten paar Schritten spürt man die Wirkung einer riesigen Kuppel. Die Zentralkuppel bedeckt fast das gesamte Gebäude und erweckt mit ihren 40 Fenstern den Eindruck, als ob sie im Freien schwebt.
Sie ist aus leichten Ziegeln von Rhodos gebaut. Die Höhe der Kuppel beträgt 55,60 m im Scheitel und sie ist aufgrund von Restaurierungen leicht elliptisch im Grundriss. Der Kuppeldurchmesser misst von Nord nach Süd 31,87 m, von Ost nach West 30,87 m und wird von vier massiven, blockartigen Stützpfeilern getragen.
Durch das einfallende Licht der 40 Fenster wirkt die gewaltige Kuppel so leicht, als würde sie nur an einer goldenen Kette vom Himmel hängen.
Die Engelsfiguren in Eckzwickeln
Die beiden Halbkuppeln im Osten und Westen nehmen den seitlichen Schub der Zentralkuppel gleichmäßig auf. In den Eckzwickeln, genannt „Pendentifs“ (Zwickel), befinden sich jeweils Freskenbilder einer Engelsfigur namens „Seraphim“ mit verhüllten Gesichtern. Nach der letzten Restaurierung kam das Gesicht eines der vier Seraphim zum Vorschein, das fast 700 Jahre lang niemand sehen durfte.
Mosaiken in der Halbkuppel der Apsis
Die Mosaiken in der Halbkuppel der Apsis zeigen Maria mit dem Christusknaben. Ein schönes, dunkelblaues Gewand hüllt ihre Figur ein, die mit drei kleinen Kreuzen auf dem Kopftuch über der Stirn und auf den Schultern verziert ist. Die rechte Hand Marias ruht auf der Schulter des Knaben, und die Linke auf seinem Knie.
Das Christuskind trägt ein Goldkleid und Sandalen. Er hebt seine rechte Hand im segnenden Gestus an, während die Linke eine Schriftrolle ergreift. Auf den beiden Seiten des Bogens sind zwei Engelsfiguren dargestellt. Das Mosaikbild rechts zeigt den Erzengel Gabriel, dem ein Flügel fehlt. Gegenüber im Bogen links, sieht man die Reste des Mosaikbildes von Erzengel Michael.
Die Wände und Decken, die mit Marmor und Mosaiken bezogen sind farbig gehalten. Die drei verschiedenen Schattierungen der Kuppelmosaiken zeugen von den drei verschiedenen Epochen, in denen die Restaurierungen vorgenommen wurden. Übrigens gilt die Kuppel in ihrer Höhe und im Durchmesser als eine der wenigen Großen der Welt.
Die Säulen und Kapitelle
Das gesamte Bauwerk wird von 107 Säulen getragen: 40 im unteren Bereich und 67 auf den Emporen. Ein Großteil dieser Säulen ist wesentlich älter als das Gebäude selbst, da sie als Spolien aus antiken Tempelanlagen des gesamten Reiches herbeigeschafft wurden.
Besonders hervorzuheben sind die acht monumentalen Säulen aus rotem Porphyr, die paarweise in den vier Exedren des Hauptschiffs stehen. Während die Tradition ihre Herkunft oft dem Zeustempel in Baalbek zuschreibt, belegen geologische Untersuchungen, dass dieses seltene Gestein (Lapis Porphyrites) ausschließlich aus den kaiserlichen Steinbrüchen des Mons Porphyrites in Ägypten stammt.
Die ausgezeichnete Verarbeitung des Marmors auf den Kapitellen, wo die Formen tief eingraviert und durch Licht- und Schatteneffekte hervorgehoben sind, waren typische Merkmale der byzantinischen Kunst. Es handelt sich um eine weiterentwickelte Form der spätantiken Akanthuskapitelle, die auch als Korbkapitell bezeichnet wird. Einige der Kapitelle sind mit den Monogrammen Justinians und Theodoras versehen.
Die Kronleuchter, die tief von der Kuppel herabhängen und im Raum verteilt sind, bestehen aus Holz und Leichtmetall und stammen aus dem 19. Jahrhundert.
Unübersehbar ist auch die Einlegearbeit des quadratischen Bodenmosaiks „Omphalos“ (Nabel) im südöstlichen Teil des Hauptschiffs, das mit vielfarbigen, runden Granit- und Porphyrplatten ausgelegt ist. Kleinere Kreise gruppieren sich um eine große kreisförmige Fläche, die ineinandergreifen und eine quadratische Fläche ausfüllen.
Hier wurden roter und grüner Porphyr, Granit sowie Verde Antico „Krokeischer Stein“ kombiniert. In späteren Zeiten des Byzantinischen Reiches fanden hier offensichtlich die Kaiserkrönungen statt.
Im Westen des Nordschiffes steht die bekannte „Schwitzende Säule“, die sich heute noch feucht anfühlt und seit der alten Zeit als „wunderwirkend“ angesehen wird (viele Besucher stecken ihren Daumen in das Loch ve drehen ihn für einen Wunsch).
Hagia Sophia Moschee (Ayasofya Camii)
Islamische Ausstattung der Hagia Sophia Moschee
Die ehemalige Apsis der Sophienkirche wurde in der islamischen Zeit in eine Gebetsnische in Richtung Mekka umgewandelt. Die beiden Riesenkerzen, die die Mihrab „Gebetsnische“ flankieren, sind tatsächlich aus Wachs und wurden von Sultan Süleyman I. nach dem Feldzug nach Ungarn gestiftet.
Links von der Gebetsnische der Hagia Sophia Moschee steht die Loge des Sultans „Hünkâr Mahfili“, ein Werk von Gaspar Fossati (19. Jh.). Auf der rechten Seite befinden sich der Mimber „Freitagskanzel“ und davor das marmorne Podest „Müezzin Mahfili“, eine Müezzintribune, wo Koran gelesen wird.
Die beiden 2 m hohen runden Marmorgefäße in den Nischen an der Westseite stammen aus Pergamon und wurden im 16. Jahrhundert durch Sultan Murat III. in die „Ayasofya“ Moschee eingeführt. Sie dienten als Wassergefäße für Erfrischungen.
Die schöne arabische Inschrift in der Spitze der Hauptkuppel ist der 35. Vers aus der 24. Sure des Korans; der sogenannte „Lichtvers“. „Allah ist das Licht der Himmel und der Erde...“. Der Lichtvers, zusammen mit den 8 riesigen runden Tafeln mit einem Durchmesser von 8 m, sind wiederum aus der islamischen Zeit der Hagia Sophia.
Auf den runden Tafeln stehen in arabischer Schrift die Namen Allahs, Mohammeds, der vier Kalifen (Ebu Bekir, Ömer, Osman, Ali) und der beiden Enkelsöhne Mohammeds, Hasan und Hüseyin.
Die Emporen der Hagia Sophia
Die Emporen der Hagia Sophia beherbergen einige der beeindruckendsten Kunstwerke der byzantinischen Epoche. Besonders die prachtvollen Mosaiken, die hier größtenteils erhalten geblieben sind, zeugen von der spirituellen und kulturellen Bedeutung dieses außergewöhnlichen Bauwerks.
Der Rundgang startet am Eingang vor dem Haupttor des Topkapi-Palasts, gegenüber dem kunstvollen Brunnen von Sultan Ahmed III. Ein verwinkelter Aufgang führt die Besucher hinauf in die nördliche Galerie, wo die Erkundung der faszinierenden Emporen beginnt.
Das älteste Mosaik auf den Galerien
Das älteste erhaltene Mosaik auf den Galerien der Hagia Sophia wurde erst kürzlich unter einer jahrhundertealten Putzschicht entdeckt und kunstvoll restauriert. Es befindet sich an einer etwas versteckten Stelle auf der Nordempore und zeigt Kaiser Alexandros, der im Mai 912 seinem Bruder Leo VI. auf den Thron folgte. Doch seine Regentschaft währte nur kurz: Bereits im Juni 913 verstarb der Kaiser während eines Polo-Spiels, das er in einem Anflug von Übermut und Weinrausch austrug.
Das Mosaik zeigt den Kaiser in seiner ganzen majestätischen Erscheinung. Gekrönt mit einer kunstvoll verzierten, helmähnlichen Krone, trägt er einen goldenen, juwelenbesetzten Überwurf. An seinen Füßen leuchten die ikonischen kaiserlichen Purpurschuhe: ein unverkennbares Symbol seiner erhabenen Würde.
Hagia Sophia: Der Ausblick von der Westempore
Bevor man sich den Mosaiken auf der Südempore widmet, empfiehlt sich ein Abstecher zur Westempore. Von hier aus hat man einen großartigen Blick auf den Zentralraum der Hagia Sophia. Dieser eindrucksvolle Ausblick dient nicht nur der Orientierung, sondern vermittelt auch einen unvergesslichen Eindruck von der architektonischen Meisterleistung dieses Bauwerks.
Standort des Throns der Kaiserin
In der Mitte der Westgalerie, nahe der Balustrade, markiert eine kreisrunde Scheibe aus grünem Thessalischem Marmor den Standort des Throns der Kaiserin. Sie wird von eleganten Säulen aus demselben Material flankiert.
Historische Aufzeichnungen belegen, dass die Emporen der Hagia Sophia ursprünglich ausschließlich den Frauen vorbehalten waren. Später wurde die Südgalerie jedoch speziell der Kaiserfamilie zugewiesen. Gelegentlich diente sie auch als Versammlungsort für Synoden der Bischöfe der Ostkirche.
Die Südempore
Am Beginn der Südempore steht eine marmorne Schranke, die aus zwei kunstvoll in Relief gearbeiteten Scheintüren besteht. Zwischen diesen bleibt ein offener Durchgang frei. Die linke Scheintür wird volkstümlich als „Höllentür“, die rechte als „Himmelstür“ bezeichnet. Beide Türen sind durch einen langen, schmalen Sturz aus geschnitztem Holz verbunden. Der ursprüngliche Zweck und die Entstehungszeit dieser Schranke sind unbekannt. Vermutlich wurde sie eingebaut, um den Bereich der Südgalerie abzutrennen, der später als Versammlungsort für Synoden diente.
Im Jahr 1166, während der Herrschaft von Kaiser Manuel Komnenos, fand hier die Synodeversammlung statt. Die Beschlüsse dieser Versammlung wurden auf Marmortafeln festgehalten und an der Wand des äußeren Narthex angebracht.
Ein Wikinger-Graffiti aus dem 9. Jahrhundert
Auf der Brüstung der Südgalerie sind Graffiti aus verschiedenen Jahrhunderten zu entdecken. Besonders bemerkenswert ist eine eingeritzte Runenschrift aus dem 9. Jahrhundert, die den Namen eines Wikingers, Halvdan, trägt.
Die Inschrift bedeutet übersetzt schlicht „Halvdan war hier“. Es wird vermutet, dass Halvdan ein Mitglied der berühmten Varägergarde (skandinavische Leibwache der byzantinischen Kaiser) war und so seine Spuren im Marmor hinterlassen hat.
Die Mosaiken auf der Südgalerie der Hagia Sophia
Das Mosaik von Kaiserin Zoë - Ein Spiegel ihres bewegten Lebens
Am östlichen Ende der Südgalerie, nahe der Apsis, sind zwei Kaiserporträts nebeneinander zu sehen. Unser Blick richtet sich zuerst auf das Porträt der Kaiserin Zoë - die linke der beiden Darstellungen -, die zusammen mit ihrem dritten Ehemann, Konstantin IX. Monomachos, abgebildet ist. Christus thront dabei segnend in der Mitte, während der Kaiser ihm einen Geldbeutel überreicht und Zoë eine Schriftrolle hält.
Bemerkenswert an diesem Mosaik ist die nachträgliche Überarbeitung der Gesichter und der Konstantin gewidmeten Inschriften - ein Hinweis auf Zoës turbulentes Leben. Als Tochter Konstantins VIII. regierte sie zeitweise eigenständig und war bekannt für ihre wechselvollen Beziehungen.
Zoë blieb Gerüchten zufolge bis zu ihrem 50. Lebensjahr unverheiratet. Ihr Vater verheiratete sie schließlich mit Romanos Argyros, um die Thronfolge zu sichern. Obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits zu alt war, um Kinder zu gebären, soll sie später die Freuden der Liebe entdeckt haben und wird mit zahlreichen Liebhabern in Verbindung gebracht.
Nach dem Tod ihres ersten Mannes Romanos III. heiratete sie Michael IV. und schließlich Konstantin IX. Monomachos. Das ursprüngliche Mosaik, das vermutlich zwischen 1028 und 1034 entstand, zeigte Zoë mit ihrem ersten Ehemann Romanos III. Während der kurzen Herrschaft von Michael V., der seine Adoptivmutter zutiefst verachtete, könnte dieses Mosaik zerstört worden sein.
Als Zoë 1042 erneut an die Macht gelangte - offiziell durch ihren dritten Ehemann Konstantin IX. -, ließ sie das beschädigte Mosaik restaurieren. Sie ersetzte die Darstellung ihres ersten Mannes durch Konstantin und passte die Inschriften entsprechend an.
Politisches Recycling: Ein Kaiser mit fremdem Körper
Es ist ein faszinierendes, fast schon kurioses Detail der byzantinischen Kunstgeschichte: Anstatt das gesamte, kostbare Goldmosaik mühsam neu zu erschaffen, entschied man sich für eine weitaus pragmatischere Lösung. Man schlug lediglich den Kopf des Ehemanns und die dazugehörige Namensinschrift (links oben) aus der Wand und ersetzte sie durch das Porträt des neuen Kaisers.
Dieses „Recycling“ von Herrscherbildern verleiht dem Mosaik heute einen fast schon amüsanten Charakter. Diese frühe Form des „politischen Recyclings“ führt dazu, dass der Körper und die prachtvolle Kleidung auf dem Mosaik ursprünglich wohl einem seiner Vorgänger gehörten. Nur das Gesicht gehört Konstantin IX.
Wer genau hinsieht, kann die feinen Linien am Hals der Figur erkennen, die zeigen, wo die Steinchen (Tesserae) herausgenommen und durch neue ersetzt wurden.
Nicht nur am Kopf, auch im Bereich der Inschriften sind die Spuren einer „erzwungenen Renovierung“ deutlich sichtbar. Besonders in der ersten Zeile, in der der Name des Kaisers steht, ist die Anordnung der Mosaiksteine unregelmäßig, und auch die letzte Zeile, wo sein Beiname „Monomachos“ (der Alleinkämpfer) fast schon gequetscht eingefügt wurde, wirkt holprig.
Das Mosaik von Johannes II. und Irene - Frömmigkeit und Schicksal
Rechts neben dem Porträt der Kaiserin Zoë befindet sich das dritte und letzte Kaiserporträt der Emporen. Das Mosaik verläuft geschickt über Eck: Während das Kaiserpaar frontal zu sehen ist, findet man das Porträt des jungen Prinzen Alexios auf der rechten Seitenwand des Pfeilers.
Dargestellt sind Johannes II. Komnenos (1118-1143), seine Frau Irene und ihr ältester Sohn Alexios. Das Hauptmosaik wurde vermutlich im Krönungsjahr von Johannes II. geschaffen, während das Bildnis von Alexios einige Jahre später hinzugefügt wurde, als er im Alter von 17 Jahren zum Mitregenten ernannt wurde.
In diesem Mosaik hält die Gottesmutter den Christusknaben auf ihrem Schoß. Zu ihrer Rechten steht Johannes II., der ehrfurchtsvoll einen Beutel mit Gold darbringt, während Irene mit ihrem charakteristischen rotblonden Haar links von Maria eine Schriftrolle überreicht.
Leider konnte Alexios nach dem Tod seines Vaters nicht auf den Thron folgen, da er nur kurze Zeit nach seiner Krönung verstarb. Die Künstler, die das Mosaik schufen, hielten bereits die spürbaren Anzeichen seines frühen Todes in seinem abgemagerten, blassen Gesicht fest.
Irene wurde für ihre Frömmigkeit und ihre Großzügigkeit gegenüber den Armen gepriesen und später als Heilige der Ostkirche verehrt. Das kaiserliche Paar gründete das Pantokrator-Kloster (heute Zeyrek-Moschee), das für seine einzigartige Tripelkirche bekannt ist und noch heute eines der markantesten Bauwerke auf dem fünften Hügel von Konstantinopel darstellt.
Deësis-Mosaik: Ein Meisterwerk der spätbyzantinischen Kunst
Das letzte der Emporenmosaiken in der Hagia Sophia ist das beeindruckende „Deësis“-Mosaik an der Ostwand der westlichen Stützmauer der Südgalerie. Dieses Meisterwerk der byzantinischen Kunst, das auf den Beginn des 14. Jahrhunderts datiert wird, zählt zu den herausragendsten Werken der spätbyzantinischen Epoche.
Obwohl etwa zwei Drittel des Mosaiks zerstört sind, blieben die Gesichter der drei Hauptfiguren erstaunlich gut erhalten. Es markiert den Beginn der sogenannten Palaiologischen Renaissance, in der die byzantinische Kunst eine neue, fast naturalistische Ausdruckskraft erlangte.
Der Begriff Deësis, aus dem Altgriechischen abgeleitet, bedeutet „Bitte“ oder „Flehen“. Ursprünglich bezeichnete er das Vorbringen eines Anliegens - sei es im weltlichen, juristischen oder religiösen Kontext. In der christlichen Kunst wurde daraus eine ikonografische Darstellung, die auf Fürbitte und Gebet hinweist.
Im Zentrum des Mosaiks thront Christus, flankiert von der Jungfrau Maria und Johannes dem Täufer. Beide Heiligen wenden sich in tief empfundener Fürbitte an ihn und flehen um das Heil der Menschheit. Johannes begegnet Christus mit einem Blick, der von Trauer und Dringlichkeit erfüllt ist, während die Gottesmutter ihre Augen in stiller Demut senkt.
Christus selbst erhebt die rechte Hand zum Segen und schaut mit einem Ausdruck von innerer Zerrissenheit und Nachdenklichkeit in die Ferne - eine Darstellung, die ihn mehr als Mensch denn als Gott erscheinen lässt.
Besonders faszinierend ist dabei die Technik: Um diese feinen Gesichtszüge und Schatten darzustellen, verwendeten die Künstler winzige Mosaiksteinchen, die viel kleiner sind als in den anderen Panelen der Kirche.
Dieses Mosaik bleibt eines der bedeutendsten Zeugnisse der emotionalen und spirituellen Tiefe der byzantinischen Kunst und findet seinen Platz neben anderen ikonischen Darstellungen von Christus aus der westlichen Kunstgeschichte.
Ausgang und der Garten
Nach der Besichtigung der Galerien oder des Hauptraumes kehren wir zum Ausgang zurück. Am südlichen Ende der inneren Vorhalle, die heute als Ausgang gekennzeichnet ist, befindet sich die „Vorhalle der Krieger“. In diesem Raum wartete die kaiserliche Garde, bis der Kaiser aus dem Gottesdienst zurückkehrte.
Es ist kein Zufall, dass dieses Mosaik genau hier angebracht wurde: Bevor der Kaiser den heiligen Raum betrat, legte er in dieser Vorhalle symbolisch seine Macht in die Hände Gottes.
Das große Mosaik über dem Durchgang stammt aus dem 10. Jahrhundert und wurde 1933 wiederentdeckt, nachdem es viele Jahrhunderte unter Verputz und Tünche verborgen war. In der Mitte sieht man die thronende Gottesmutter mit dem Christusknaben auf dem Schoß, während sie von zwei Kaisern empfangen wird.
Rechts überreicht Konstantin der Große Maria das Modell seiner Stadt Konstantinopel, während links Kaiser Justinian ihr großzügig die von ihm erbaute Hagia Sophia schenkt. Durch diesen Durchgang, der früher den Namen Orea Porta „Schöne Pforte“ trug, gelangt man heute in den Garten.
Gleich nach dem Betreten des Gartens sieht man türkische Bauwerke aus verschiedenen Zeiten der osmanischen Periode. Wenn wir uns nun nach rechts wenden, fällt der „Şadırvan“ (Reinigungsbrunnen) aus dem Jahre 1740 ins Auge.
Hier haben die Gläubigen ihre Waschungen vor dem Gebet durchgeführt. Mit seiner auf Säulen ruhenden Kuppel und der meisterhaften Stein- und Metallverarbeitung bietet er ein wertvolles Beispiel für die osmanische Architektur.
Kaum ein anderer Moscheebrunnen zeigt so deutlich wie dieser die Merkmale der spätosmanischen Architektur. Seine fröhlich bunte Ornamentik und sein filigranhaftes Bronzegitter mit den fein im Relief geschnittenen Marmorplatten machen ihn zu einem äußerst reizvollen Spätwerk osmanischer Baukunst.
Das Gebäude neben dem Brunnen ist eine ehemalige osmanische Grundschule (Sıbyan Mektebi), die im Jahr 1742 errichtet wurde.
Das kleine Gebäude links direkt vor dem Gartenausgang wurde von den Fossati-Brüdern zwischen 1847 und 1849 fertiggestellt. Es fungierte als „Muvakkithane“, das Haus des Zeitberechners, der die präzisen Gebetszeiten für die Moschee festlegte.
Die Sonnenuhr des Astronomen ist immer noch links vom Ausgang an der Fassade der Hagia Sophia zu sehen und erinnert an die Zeit, als die Gebetszeiten noch genau nach dem Stand der Sonne berechnet wurden.
Wo ist der Eingang zur Hagia Sophia?
Seit Anfang 2024 nutzen ausländische Besucher einen neu eingerichteten Zugang. Die Ticketschalter und der Eingang zur Galerie befinden sich an der Südseite der Hagia Sophia, direkt gegenüber dem prachtvollen Brunnen von Sultan Ahmed III. und unweit des Haupttors zum Topkapi-Palast. Von hier aus gelangen Besucher über eine Rampe direkt in das Obergeschoss (Emporen), um die weltberühmten Mosaike zu besichtigen.
Was kostet der Eintritt in die Hagia Sophia in 2026?
Der Besuch des Museumsbereichs (Galerie) ist seit Januar 2024 für ausländische Touristen kostenpflichtig. Hier sind die wichtigsten Details für Ihre Planung:
- Eintrittspreis: Das Ticket für die oberen Galerien kostet 25 €.
- Museumspass: Bitte beachten Sie, dass der Museum Pass Istanbul für die Hagia Sophia aktuell nicht gültig ist.
- Kinder: Kinder unter 8 Jahren dürfen kostenlos eintreten. Ein Altersnachweis (Reisepass) ist am Eingang unbedingt erforderlich, da Fotos auf dem Handy oft nicht akzeptiert werden.
- Zugang zum Erdgeschoss: Das Erdgeschoss ist ausschließlich für muslimische Gläubige zum Gebet reserviert und über einen separaten Eingang kostenlos zugänglich.
Kleidervorschriften für die Hagia Sophia
Um Ihren Besuch der Hagia Sophia entspannt genießen zu können, beachten Sie bitte die folgenden Kleidervorschriften:
Frauen sollen lange Röcke oder Hosen tragen, die mindestens bis zu den Knien reichen, sowie Oberteile mit langen Ärmeln, die die Schultern bedecken. Ein Kopftuch ist ebenfalls erforderlich.
Männer sollen knielange Hosen und ein langärmeliges Oberteil tragen. Ärmellose Shirts und kurze Hosen sind nicht gestattet.
Für Kinder unter acht Jahren gelten keine speziellen Kleidungsvorschriften.
Hagia Sophia Öffnungszeiten in 2026
Täglich geöffnet
9.00 bis 19.00 Uhr
Der Museumsbereich im Obergeschoss ist während des Freitagsgebets geschlossen
Istanbul 2026: Öffnungszeiten aller Top-Sehenswürdigkeiten auf einen Blick
Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Hagia Sophia
In der Nähe der Hagia Sophia gibt es weitere Sehenswürdigkeiten, die Sie in 5 bis 10 Minuten zu Fuß erreichen können.
Die Sehenswürdigkeiten in Sultanahmet - Istanbul
Wo ist die Hagia Sophia in Istanbul?
Die Hagia Sophia befindet sich in Sultanahmet, gegenüber der Blauen Moschee neben dem Topkapi Palast.
Die nächstgelegene Straßenbahnstation „Sultanahmet“ (Linie T1) befindet sich etwa fünf Gehminuten von der Hagia Sophia entfernt.
Wie kommt man zur Hagia Sophia?
Vom Taksim-Platz: Mit der Standseilbahn (Funicular) nach Kabataş (Linie F1). Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Altstadt Hotels: Mit der Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Hotels der asiatischen Seite Istanbuls: Mit öffentlichen Fähren nach Eminönü. Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).