Hippodrom von Konstantinopel

Sehenswürdigkeiten in Istanbul

Hippodrom Istanbul Sehenswürdigkeiten

Hippodrom gehört zu den Sehenswürdigkeiten Istanbuls, die sich ganz sicher jeder Besucher ansieht. Alle wichtigsten monumentalen Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia, die Blaue Moschee, der Topkapi Palast und die unterirdische Zisterne, die man auf einer klassischen Istanbul Führung besucht, befinden sich in der Umgebung des Hippodroms. Es ist heute ein Teil des Sultanahmet Platzes (Sultanahmet Meydanı) und gehört seit 1985 zu den Stätten des Weltkulturerbes.

Was war das Hippodrom?

Hippodrom ist ein zusammengesetztes Wort und leitet sich von den griechischen Wörtern Hippos: “Pferd” und Dromos “Weg oder Pfad” ab. Es bezeichnet eine Rennbahn bzw. einen Schauplatz für Wagenrennen in Zeiten des Römischen Reiches.


Wagenrennen im Hippodrom (Video: Byzantium1200)

Sehenswürdigkeiten im Hippodrom

Das Hippodrom war mit Obelisken und Säulen geschmückt, von denen heute nur noch drei vorhanden sind. Wir beginnen vom Norden.

Die Liste der "Sehenswürdigkeiten des Hippodroms" aus der byzantinischen Zeit:

Der Ägyptische Obelisk (türk. Dikilitaş)

Der Ägyptische Obelisk Der Ägyptische Obelisk

Das erste der entlang der “Spina” aufgereihten Monumente ist der Ägyptische Obelisk (Obelisk des Theodosius). Er ist die älteste Sehenswürdigkeit, die man in Istanbul unter freiem Himmel sehen kann. So wie er heute da steht, ist er ca. 3500 Jahre alt.

Dieser Obelisk wurde im 15. Jh. v. Chr. vom ägyptischen Herrscher Thutmosis III. vor dem Tempel in Karnak aufgestellt; zum Gedenken seines Sieges in Mesopotamien bei dem er den Euphrat überschritt. Er war aus seltenem rosa Granit.

Irgendwann während des 4. Jahrhunderts hat man den Obelisken nach Konstantinopel verschifft. Obwohl es sich nur noch um ein Bruchstück des ursprünglichen Monuments handelte, war man zunächst nicht in der technischen Lage ihn aufzurichten, weshalb er längere Zeit herumlag. Schließlich, Theodosius I. ließ ihn im Jahre 390, unter äußerst schwierigen Umständen, an seiner heutigen Stelle aufstellen.

Zu sehen ist, dass der untere Teil des Obelisken fehlt (etwa ein Drittel vom originalen Stück). Er brach entweder bei der Verschiffung oder wurde absichtlich verkürzt, um ihn für den Transport leichter zu machen. Ursprünglich war er rund 30 Meter hoch. Heute misst der Obelisk nur noch ca. 20 Meter, inklusive des byzantinischen Marmorsockels 26 Meter.

Die Darstellungen auf dem Marmorsockel

Der knapp 20 m hohe Obelisk ruht auf einem Marmorsockel von 6 m Höhe, der an seinen vier Seiten mit Reliefbildern verziert ist. Die Darstellungen zeigen den Kaiser Theodosius mit seiner Familie in der für ihn reservierten Loge des Hippodroms. Diese Szenen geben Auskunft über einige Details der Kaiserloge “Kathisma” und die Menschen dieser Zeit.

Nordseite (Gegenüber dem Brunnen Kaisers Wilhelm II.)

Nordseite des ägyptischen Obelisken Nordseite des ägyptischen Obelisken

Auf dem oberen Teil ist der Kaiser zu sehen. Auf dem unteren Block wird der Arbeitszyklus für die Aufrichtung des Obelisken dargestellt. Man sieht den Obelisken im unteren Feld noch am Boden liegen, während sich Sklaven abmühen ihn aufzustellen.

Aufstellung des ägyptischen Obelisken Aufstellung des ägyptischen Obelisken auf der Nordseite

Ostseite (Gegenüber der Blauen Moschee)

Ostseite des ägyptischen Obelisken Ostseite des ägyptischen Obelisken

Der Kaiser sitzt in seiner Loge und bereitet einen Lorbeerkranz in der Hand, womit er den Sieger nach dem Wagenrennen preisen will.

Westseite

Westseite des ägyptischen Obelisken Westseite des ägyptischen Obelisken

Der Kaiser mit seiner Familie nimmt die Huldigung der besiegten Feinde entgegen. Man sieht weiter unten die Gesandten, die dem Kaiser ihre Geschenke überreichen.

Südseite

Südseite des ägyptischen ObeliskenSüdseite des ägyptischen Obelisken

Im oberen Teil ist wieder der Kaiser mit seiner Familie und Leibwächtern bei einem Wettkampf dargestellt, während im unteren Teil, die Rennbahn des Hippodroms und die Wagenlenker mit ihren Vierspänner um die Spinamauer zu sehen ist.

Wagenrennen auf der Südseite des ägyptischen Obelisken Wagenrennen auf der Südseite des ägyptischen Obelisken

Die Schlangensäule (türk. Yılanlı Sütun)

Die Schlangensäule Die Schlangensäule

Als Nächstes auf der Spinamauer aufgerichteten Monumente sehen wir die Schlangensäule. Sie ist die älteste griechische Sehenswürdigkeit in Istanbul. Die drei spiralförmig ineinander verschlungenen Schlangenkörper aus Bronze, dienten einst als Träger einer goldenen Dreifußschale vor dem Apollontempel in Delphi (ca. 160 km nordwestlich von Athen).

Sie war ein Weihegeschenk von 31 griechischen Stadtstaaten (Polis), die 479 v. Chr. die Perser bei der Schlacht von Platää besiegt hatten und sich dem Gott dankbar fühlten. Man soll die Säule aus den erbeuteten Bronzeschildern der gefallenen persischen Soldaten gegossen haben.

Schlangensäule in der Antike Schlangensäule

Durch Konstantin den Großen wurde die Säule im Jahre 324 n. Chr. von Delphi nach Istanbul transportiert und zunächst vermutlich im Hof der Hagia Sophia aufgestellt. Erst später fand sie ihren Platz auf dem Hippodrom, wo er viele Jahre als Wasserspender diente. Die goldene Schale des Dreifußes dürfte wahrscheinlich schon in der antiken Zeit verlorengegangen sein.

Schlangenkopf im archäologischen Museum Schlangenkopf im Archäologischen Museum Istanbul

Nach Überlieferung der alten Aufzeichnungen, die drei herausragenden Schlangenköpfe, blieben bis ins späte 16 Jh. Es ist allerdings geschichtlich nicht bekannt, was nach dem 16. Jh. mit den Köpfen der Schlangensäule passierte. Das Oberteil eines der Schlangenköpfe wurde 1847 aufgefunden und befindet sich heute im oberen Stockwerk des archäologischen Museums in Istanbul.

Die Gemauerte Säule (Die Säule des Konstantins VII.)

Die gemauerte Säule Die Gemauerte Säule

Als dritte Sehenswürdigkeit, nahe dem Südende des Hippodroms sehen wir eine gemauerte Säule, die knapp 32 m in seiner Höhe misst. Es ist nicht genau bekannt, wann die Säule einst errichtet wurde. Dennoch besagt die griechische Inschrift am Sockel, dass sich die Säule in einem verfallenden Zustand befand, weshalb sie einem früheren Zeitrahmen zugerechnet werden muss. Nach dieser Inschrift erfahren wir auch, dass sie durch Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos im Jahre 940 renoviert und mit Bronzeplatten umgekleidet wurde.

Die ehemalige vergoldete Bronzeverkleidung wurde beim 4. Kreuzzug von Lateinern abgerissen und eingeschmolzen. Man kann heute die vielen Befestigungslöcher der Bronzeplatten in den alten Steinen der Säule noch erkennen.

Hippodrom und die Blaue Moschee Hippodrom und die Blaue Moschee

Was fand im Hippodrom statt?

Das antike Hippodrom war der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in Konstantinopel. Hier fanden nicht nur Wagenrennen und Zirkusspiele statt, sondern es war auch der Platz, wo man die Feste zu Ehren der Kaiser feierte. Die Hauptattraktion war aber immer das Rennen der Vierspänner.

Wagenrennen waren populäre Freizeitvergnügen und wurden vor allem für die in Armut lebende Schicht der Bevölkerung bestimmt, die darin zeitweilig Abwechslung von ihrer langweiligen Realität fand. Schon im 1. Jh. waren ja die Worte vom römischen Dichter Juvenal “Panem et circenses” (Brot und Zirkusspiele) das Motto der römischen Herrscher.

Denn zur Zeiten des Kaiser Justinians (6. Jh.), wurden in Konstantinopel täglich etwa 80.000 Brote kostenlos verteilt und mehr als zwanzig Wagenrennen veranstaltet, die von jedem Bürger kostenlos besucht werden konnten. Der Zweck war es, die Massen der Armen zumindest so weit zu ernähren und amüsieren, dass sie keine Aufstände beginnen würden.

Mit der lateinischen Einnahme Konstantinopels im 1204, verlor das Hippodrom, wie auch viele andere Monumente der Hauptstadt seine Bedeutung. Es wurden immer weniger Wagenrennen durchgeführt, dagegen aber traten hier Musikgruppen, Tänzerinnen und Akrobaten auf.

Im 6. Jh. ging hier ein blutiger Aufstand über die Bühne. Der berühmte Nika Aufstand fand zur Zeit des Kaiser Justinians, zwischen den beiden politischen Gruppen (Grünen und Blauen) statt, der dem Kaiser nahezu den Thron gekostet hätte.

Es endete damit, dass Justinians Heerführer Belisar die Aufständischen im Hippodrom einschloss und dreißigtausend von ihnen abschlachten ließ. Einer alten Sitte zufolge wurden die erschlagenen Träger des Aufstandes an Ort und Stelle verscharrt. Es mag zwar viele Jahrhunderte zurückliegen, aber man geht hier heute über ein Massengrab.

Die Geschichte und die Architektur des Hippodroms

Hippodrom von Konstantinopel Hippodrom von Konstantinopel

Das Hippodrom von Konstantinopel war eine gewaltige Anlage, mit deren Bau Kaiser Septimus Severus im Jahr 203 n. Chr. begonnen hatte. Konstantin der Große ließ es später im 4. Jh. durch Umbauten vergrößern.

480 Meter maß dieses Bauwerk in seiner gesamten Länge und 120 Meter war es breit. 100 000 Zuschauer, so schätzt man, dürften hier Platz gefunden haben. Es besaß an seinen U-förmigen drei Seiten stufenförmig angeordnete Sitzreihen (Tribüne) wo die oberen Abschlüsse eine Säulenreihe bildeten.

Die abgeschlossene Loge des Kaisers (Kathisma) befand sich in der Mitte der östlichen Längsseite der Arena und war nur vom Kaiserpalast (an der Stelle der Blauen Moschee) aus zugänglich. Der untere Stock der Loge war vorgesehen für Musikkapelle und Leibwache der kaiserlichen Familie.

Die beiden Längsseiten endeten im Süden mit einem Halbkreis (Sphendone) das heute mit den Gebäuden einer Handelshochschule überbaut ist. Auf der gegenüberliegenden Seite am Nordende, wo heute der Brunnen des Kaisers Wilhelm II. zu sehen ist, befanden sich die Starttore, wo durch Passagen die Rennwagen in die Arena fuhren.

Hier über den Starttoren standen in der Mitte die vier vergoldeten Pferde die die Venezianer 1204 als Kriegsbeute nach Venedig brachten. Um sie besser zu transportieren, trennten sie die Köpfe von den Körpern und nach dem Zusammenbau in Venedik, überdeckten sie die Trennlinien mit Halsbänder.

Die Pferde blieben bis Anfang der 1980er Jahre auf der Loggia über dem Eingang von San Marco und wurden später wegen dauerhaften Luftverschmutzung Schäden durch Repliken ersetzt. Seitdem werden die Originale direkt in der Basilika ausgestellt.

Hippodrom in der byzantinischen Zeit Hippodrom in der byzantinischen Zeit

In der Mitte des Hippodroms stand eine niedrige Mauer, die sogenannte Spina (lat. Rückgrat) die den sandbedeckten Boden in zwei Teile trennte und um die herum die Rennen stattfanden. Die U-förmige Rennbahn, die während der byzantinischen Zeit von Rennwagen benutzt wurde, ist bis heute fast unverändert geblieben. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sich heute Autos und Fußgänger auf derselben Straße bewegen.

Streitwagen die mit zwei Pferdepaaren hintereinander gespannt waren, kämpften hier um den Sieg und repräsentierten jeweils eine der vier unter den Bevölkerungsgruppen aufgeteilten Parteien. Jede Partei hatte eine eigene Farbe: Blauen (Venetoi), Grünen (Prasinoi), Roten (Rousioi) und Weißen (Leukoi). Zu einem späteren Zeitpunkt wurden diese vier Farben in nur zwei Farben zusammengeschlossen; den Blauen und den Grünen.

Eine politische Ausrichtung der Parteien wird heute häufig bestritten. Lange Zeit aber hieß es, dass die Blauen der oberen Klasse gehörten, von der Religion her traditionell orthodox und von der Politik her konservativ waren. Die Grünen dagegen gehörten der unteren Klasse der Bevölkerung und waren sowohl in religiöser als auch in politischer Hinsicht radikal.

Die Rennen begannen im Allgemeinen auf Befehl des Kaisers und die Beteiligten hatten sieben Runden um die “Spina” zu fahren. Der Sieger wurde mit einem Blumenkranz und etwas Gold vom Kaiser belohnt.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Hippodroms

In der Nähe des Hippodroms gibt es weitere unverzichtbare Sehenswürdigkeiten, die Sie 5 bis 10 Gehminuten erreichen können.

Die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung des Hippodroms:

Wo ist das Hippodrom in Istanbul?

Wo ist das Hippodrom in Istanbul
Das Hippodrom befindet sich in Sultanahmet, neben der Sultanahmet Moschee (Blaue Moschee) und gegenüber der Hagia Sophia.

Die nächstgelegene Straßenbahnstation Sultanahmet (Linie T1) befindet sich etwa drei bis fünf Gehminuten vom Hippodrom.

Wie kommt man zum Hippodrom?

Vom Taksim-Platz: Mit der Standseilbahn nach Kabataş. Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Altstadt Hotels: Mit der Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Hotels der asiatischen Seite Istanbuls: Mit öffentlichen Fähren nach Eminönü. Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).


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