Das Hippodrom: Das antike Herz von Konstantinopel
Ein Rundgang durch die Geschichte am Sultanahmet-Platz
Das Hippodrom von Istanbul, im Osmanischen Reich auch als „At Meydanı“ (Pferdeplatz) bekannt, gehört zu den historischen Sehenswürdigkeiten in Istanbul, die kein Besucher verpassen sollte. Umgeben von weltberühmten Attraktionen wie der Hagia Sophia, der Blauen Moschee, dem Topkapi-Palast und der Cisterna Basilica, ist es ein zentraler Bestandteil jeder Altstadtführung in Istanbul.
Heute bildet das Hippodrom einen Teil des Sultanahmet-Platzes (Sultanahmet Meydanı) und steht seit 1985 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.
Was ist ein Hippodrom?
Das Wort „Hippodrom“ leitet sich von den griechischen Begriffen Hippos (Pferd) und Dromos (Weg oder Pfad) ab. Es bezeichnet eine Rennbahn oder einen Schauplatz für Wagenrennen aus der Zeit des Römischen Reiches.
Hippodrome waren populäre Bauten, die sowohl sportliche als auch soziale und politische Funktionen hatten. Dort fanden neben spektakulären Wagenrennen auch öffentliche Feste, Zeremonien und Aufstände statt. Hiermit, tauchen wir in die Geschichte dieses einzigartigen kulturellen Phänomens ein und entdecken die Bedeutung eines Hippodroms in der byzantinischen Welt.
Sehenswürdigkeiten im Hippodrom
Das Hippodrom war einst mit prachtvollen Obelisken und antiken Säulen geschmückt, von denen heute leider nur noch drei an ihrem ursprünglichen Platz stehen. Wir beginnen unseren Rundgang im Norden des Platzes.
Byzantinische Monumente im Überblick:
Der Ägyptische Obelisk (türk. Dikilitaş)
Das erste der entlang der „Spina“ aufgereihten Monumente ist der Ägyptische Obelisk (Obelisk des Theodosius). Er ist die älteste Sehenswürdigkeit, die man in Istanbul unter freiem Himmel bewundern kann und das mit einem stolzen Alter von etwa 3500 Jahren.
Dieser Obelisk wurde ursprünglich im 15. Jh. v. Chr. vom ägyptischen Herrscher Thutmosis III. vor dem Tempel von Karnak errichtet. Er besteht aus seltenem rosa Granit und diente als Denkmal für seinen Sieg in Mesopotamien.
Im Laufe des 4. Jahrhunderts wurde das Monument nach Konstantinopel verschifft. Da man zunächst nicht über die technische Ausrüstung verfügte, um das gewaltige Bruchstück aufzurichten, blieb es längere Zeit liegen. Erst im Jahr 390 ließ Theodosius I. den Obelisken unter Einsatz komplizierter Seilwinden an seinem heutigen Platz aufstellen.
Betrachtet man das Monument heute, fällt auf, dass etwa ein Drittel des Originals fehlt. Neuere Forschungen legen nahe, dass der Obelisk bereits vor dem Transport in Alexandria gekürzt wurde. Dies geschah vermutlich nicht durch einen Unfall, sondern aus logistischen Gründen, um das immense Gewicht für die Überfahrt über das Meer zu verringern.
Die Darstellungen auf dem Marmorsockel
Der Obelisk ruht auf einem zweistufigen Marmorsockel, der an allen vier Seiten mit detailreichen Reliefs verziert ist. Diese Szenen zeigen Kaiser Theodosius I. mit seiner Familie und seinem Gefolge in der „Kathisma“, der kaiserlichen Loge. Sie bieten uns heute wertvolle Einblicke in die byzantinische Hofetikette und die Architektur des Hippodroms.
Ostseite (Gegenüber der Blauen Moschee)
Auf dieser Seite sehen wir den Kaiser in einer feierlichen Pose: Er hält einen Lorbeerkranz in der Hand, um diesen dem triumphierenden Sieger des Wagenrennens zu überreichen. Diese Darstellung unterstreicht die Rolle des Kaisers als oberster Schiedsrichter und großzügiger Gastgeber der Spiele.
Westseite
Auf der Westseite empfangen der Kaiser und seine Familie die Huldigung besiegter Feinde. In den unteren Registern sind Gesandte zu sehen, die in unterwürfiger Haltung wertvolle Geschenke überreichen.
Interessant ist hier die Unterscheidung der Völker: Während die Figuren auf der linken Seite an ihren Kapuzenmützen als Perser zu erkennen sind, stellen die Gesandten auf der rechten Seite Germanen dar. Dies symbolisiert den Machtanspruch des Kaisers über Orient und Okzident.
Diese Darstellungen sind ein frühes Beispiel für politische Propaganda. Obwohl das Imperium zu dieser Zeit unter massivem Druck durch äußere Feinde stand, inszenierte sich Theodosius hier als unangefochtener Weltherrscher. Es ist eine bewusste Selbstdarstellung, die mehr über den Wunsch nach Macht als über die tatsächliche politische Realität jener Ära aussagt.
Die Botschaft der Steine war wichtiger als die Realität auf dem Schlachtfeld. Diese Bilder zeigen uns eindrucksvoll, wie Macht damals konstruiert wurde: als „glänzende Fassade“ in einer unsicheren Zeit.
Nordseite (Gegenüber dem Deutschen Brunnen)
Während der obere Teil den Kaiser als unnahbaren Herrscher präsentiert, zeigt der untere Block die logistische Meisterleistung der damaligen Zeit: Den Vorgang der Aufrichtung. Man erkennt den Obelisken in liegender Position und die Bemühungen der Arbeiter, ihn mit komplexen Seilwinden aufzustellen.
Südseite (Gegenüber der Schlangensäule)
Im oberen Teil ist wieder der Kaiser mit seiner Familie und den kaiserlichen Leibwächtern bei einem Wettkampf dargestellt. Der Fokus liegt hier jedoch auf der Interaktion zwischen Herrscher und Volk während der Spiele.
Der untere Teil ist für Historiker besonders wertvoll, da er die Rennbahn des Hippodroms plastisch darstellt. Man sieht die Wagenlenker mit ihren Vierspännern (Quadrigen), die in einem riskanten Manöver um die Spinamauer jagen: ein Bild voller Dynamik, das die Leidenschaft der Byzantiner für diesen Sport perfekt einfängt.
Die Schlangensäule (türk. Yılanlı Sütun)
Als nächstes sehen wir auf der Spinamauer die Schlangensäule. Sie ist das älteste griechische Monument in Istanbul. Die drei ineinander verschlungenen Bronzeschlangen dienten ursprünglich als Basis für eine goldene Dreifußschale im Apollontempel von Delphi.
Dieses Weihegeschenk wurde 479 v. Chr. von 31 griechischen Stadtstaaten gestiftet, um ihren Sieg über die Perser in der Schlacht von Plataiai zu feiern. Es heißt, die Säule wurde aus den eingeschmolzenen Bronzeschilden der besiegten Perser gegossen.
Konstantin der Große ließ die Säule im Jahr 324 n. Chr. von Delphi nach Istanbul bringen. Sie wurde vermutlich zunächst im Hof der Hagia Sophia aufgestellt. Erst später fand sie ihren Platz auf dem Hippodrom, wo sie viele Jahre lang als Wasserspender diente. Die goldene Schale des Dreifußes dürfte wahrscheinlich schon in der antiken Zeit verloren gegangen sein.
Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts waren die Köpfe laut Reiseberichten noch intakt. Die alten Legenden berichten, dass sie im Volksglauben als Talisman gegen Ungeziefer galten. Warum sie dennoch verschwanden, ist bis heute rätselhaft. Die gängigste Erklärung jedoch führt ihr Fehlen auf Vandalismus zurück. Ein 1847 gefundenes Fragment eines Kiefers gibt uns heute eine Vorstellung von der einstigen Pracht.
Die Säule des Konstantins VII. (Örme Sütun)
Als dritte Sehenswürdigkeit nahe dem Südende des Hippodroms sehen wir die knapp 32 Meter hohe Gemauerte Säule. Ihr genaues Entstehungsdatum ist unbekannt, doch eine Inschrift am Sockel bezeugt, dass Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos sie im 10. Jahrhundert renovieren ließ. Damals wurde der Steinkern mit prunkvollen, reliefverzierten Bronzeplatten ummantelt, die in der Sonne wie reines Gold glänzten.
Dieser Glanz wurde der Säule im Jahr 1204 zum Verhängnis: Während des 4. Kreuzzugs rissen die Kreuzfahrer die kostbaren Platten ab, um sie einzuschmelzen. Heute wirken die rauen Steine wie ein Skelett des einstigen Prachtbaus, übersät mit den Befestigungslöchern, die als stumme Zeugen der Plünderung zurückblieben.
Was fand im Hippodrom statt?
Das antike Hippodrom war der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in Konstantinopel. Hier fanden nicht nur Wagenrennen und Zirkusspiele statt, sondern es war auch der Ort, an dem Feste zu Ehren der Kaiser gefeiert wurden. Die Hauptattraktion waren jedoch immer die Rennen der Vierspänner.
Wagenrennen im Hippodrom
Wagenrennen waren beliebte Freizeitvergnügen und waren vor allem für die arme Bevölkerungsschicht bestimmt, die darin zeitweilig eine Abwechslung von ihrem langweiligen Alltag fand. Schon im 1. Jahrhundert waren die Worte des römischen Dichters Juvenal „Panem et circenses“ (Brot und Zirkusspiele) das Motto der römischen Herrscher.
Zur Zeit von Kaiser Justinian (6. Jahrhundert) wurden in Konstantinopel täglich etwa 80.000 Brote kostenlos verteilt und es fanden mehr als zwanzig Wagenrennen statt, die von jedem Bürger kostenlos besucht werden konnten. Der Zweck war es, die armen Massen zumindest soweit zu ernähren und zu unterhalten, dass sie keine Aufstände begannen.
Mit der lateinischen Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1204 verlor das Hippodrom, wie auch viele andere Monumente der Hauptstadt, seine Bedeutung. Es wurden immer weniger Wagenrennen abgehalten, stattdessen traten hier Musikgruppen, Tänzerinnen und Akrobaten auf.
Nika Aufstand im Hippodrom
Im 6. Jahrhundert fand im Hippodrom ein blutiger Aufstand statt, bekannt als der berühmte Nika-Aufstand. Dieser Aufstand ereignete sich zur Zeit von Kaiser Justinian zwischen den politischen Gruppen der Grünen und Blauen und hätte den Kaiser fast den Thron gekostet.
Der Aufstand endete damit, dass Justinians Heerführer Belisar die Aufständischen im Hippodrom einschloss und dreißigtausend von ihnen abschlachten ließ. Einer alten Sitte zufolge wurden die erschlagenen Anführer des Aufstands an Ort und Stelle verscharrt. Es mag zwar viele Jahrhunderte zurückliegen, aber man geht hier heute über ein Massengrab.
Die Geschichte und die Architektur des Hippodroms
Das Hippodrom von Konstantinopel war eine gewaltige Anlage, mit deren Bau Kaiser Septimus Severus im Jahr 203 n. Chr. begonnen hatte. Konstantin der Große ließ es später im 4. Jh. durch Umbauten vergrößern.
Wie groß war das Hippodrom?
Dieses Bauwerk maß 480 Meter in seiner gesamten Länge und war 120 Meter breit. Man schätzt, dass hier Platz für 100.000 Zuschauer war. An den drei U-förmigen Seiten befanden sich stufenförmig angeordnete Sitzreihen (Tribüne), wobei die oberen Abschlüsse eine Säulenreihe bildeten.
Die abgeschlossene Loge des Kaisers (Kathisma) befand sich in der Mitte der östlichen Längsseite der Arena und war nur vom Kaiserpalast (an der Stelle der Blauen Moschee) aus zugänglich. Der untere Stock der Loge war für die Musikkapelle und die Leibwache der kaiserlichen Familie vorgesehen.
Die beiden Längsseiten endeten im Süden mit einem Halbkreis (Sphendone), der heute von den Gebäuden einer Handelshochschule überbaut ist. Auf der gegenüberliegenden Seite am Nordende, wo heute der Brunnen des Kaisers Wilhelm II. zu sehen ist, befanden sich die Starttore, durch die die Rennwagen durch Passagen in die Arena fuhren.
Pferde von San Marco - Quadriga Marciana
Über den Starttoren standen in der Mitte die vier antiken Bronzepferde (Quadriga), die ursprünglich mit einer glänzenden Goldschicht überzogen waren. Die Venezianer brachten sie 1204 als Kriegsbeute nach Venedig. Um sie besser transportieren zu können, trennten sie die Köpfe von den Körpern. Nach dem Zusammenbau in Venedig wurden die Trennlinien geschickt mit den heute noch sichtbaren Halsbändern überdeckt.
Die Pferde blieben bis Anfang der 1980er Jahre auf der Loggia über dem Eingang von San Marco und wurden später aufgrund der dauerhaften Luftverschmutzung durch Repliken ersetzt. Seitdem werden die Originale direkt in der Basilika ausgestellt.
Spina
In der Mitte des Hippodroms stand eine niedrige Mauer, die sogenannte Spina (lat. Rückgrat), die den sandbedeckten Boden in zwei Teile trennte und um die herum die Rennen stattfanden. Die U-förmige Rennbahn, die während der byzantinischen Zeit von Rennwagen benutzt wurde, ist bis heute fast unverändert geblieben. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sich heute Autos und Fußgänger auf derselben Straße bewegen.
Die Wagenlenker mussten siebenmal um die Spina herumfahren. Der Startschuss wurde durch das Werfen eines weißen Tuchs oder das Öffnen von Starttoren gegeben. Die Startpositionen wurden durch das Los bestimmt und die Wagenlenker konnten sich eine der Startboxen aussuchen.
Sie hielten die Zügel nicht in der Hand, sondern wickelten sie sich um den Arm. Sie trugen ein Messer bei sich, um sich im Notfall von den Zügeln zu befreien. Sie versuchten, ihre Gegner zu überholen, abzudrängen oder zu rammen, was oft zu spektakulären Unfällen und schweren Verletzungen führte.
Das Ziel war eine mit Kalk markierte Linie in der Mitte der rechten Bahn, wo das Preisgericht saß und den Sieger verkündete.
Zirkusparteien
Streitwagen, die mit zwei Pferdepaaren hintereinander gespannt waren, kämpften hier um den Sieg und repräsentierten jeweils eine der vier unter den Bevölkerungsgruppen aufgeteilten Parteien. Jede Partei hatte eine eigene Farbe: Blauen (Venetoi), Grünen (Prasinoi), Roten (Rousioi) und Weißen (Leukoi). Zu einem späteren Zeitpunkt wurden diese vier Farben in nur zwei Farben zusammengeführt: Blauen und Grünen.
Eine politische Ausrichtung der Parteien wird heute häufig bestritten. Lange Zeit aber hieß es, dass die Blauen der oberen Klasse gehörten, von der Religion her traditionell orthodox und von der Politik her konservativ waren. Die Grünen dagegen gehörten der unteren Klasse der Bevölkerung und waren sowohl in religiöser als auch in politischer Hinsicht radikal.
Die Rennen begannen im Allgemeinen auf Befehl des Kaisers und die Beteiligten hatten sieben Runden um die „Spina“ zu fahren. Der Sieger wurde mit einem Blumenkranz und etwas Gold vom Kaiser belohnt.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Hippodroms
In der Nähe des Hippodroms befinden sich weitere unverzichtbare Sehenswürdigkeiten, die Sie in 5 bis 10 Gehminuten erreichen können.
Die Sehenswürdigkeiten in Sultanahmet - Istanbul
Wo ist das Hippodrom in Istanbul?
Das Hippodrom befindet sich in Sultanahmet, neben der Sultanahmet Moschee (Blaue Moschee) und gegenüber der Hagia Sophia.
Die nächstgelegene Straßenbahnstation Sultanahmet (Linie T1) befindet sich etwa drei bis fünf Gehminuten vom Hippodrom.
Wie kommt man zum Hippodrom?
Vom Taksim-Platz: Mit der Standseilbahn nach Kabataş (Linie F1). Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Altstadt Hotels: Mit der Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Hotels der asiatischen Seite Istanbuls: Mit öffentlichen Fähren nach Eminönü. Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).