Topkapi-Palast

Die Schatzkammer der osmanischen Geschichte

Topkapi-Palast Istanbul

Als ein prächtiges Beispiel osmanischer Architektur hat der Topkapi-Palast in Istanbul wahrscheinlich mehr Geschichten zu erzählen als die meisten Museen der Welt zusammen.

Prächtige Sultane, ehrgeizige Höflinge, schöne Konkubinen und intrigante Eunuchen lebten und arbeiteten hier zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert, als der Palast der Hof des Osmanischen Reiches war. Ein Besuch der opulenten Pavillons, der mit Juwelen gefüllten Schatzkammer und des weitläufigen Harems gewährt einen faszinierenden Einblick in ihr Alltagsleben.

Der Topkapi-Palast war fast vier Jahrhunderte lang der Sitz der osmanischen Sultane und ist heute ohne Zweifel eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Istanbuls. Mit seiner einzigartigen Lage auf der Landspitze der Altstadt, umgeben vom Goldenen Horn, dem Bosporus und dem Marmarameer, bietet der Palast einen faszinierenden Einblick in die Geschichte und Kultur der Stadt.

Die Geschichte des Topkapi-Palastes

Vergoldeter Pavillon zum Fastenbrechen im Topkapi-Palast
Der vergoldete Pavillon zum Fastenbrechen des Sultans (Iftariye-Baldachin)

Kurz nach der Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 begann die faszinierende Geschichte des Topkapi-Palastes. Zwischen 1460 und 1478 wurde der Palast im Auftrag des Eroberers Sultan Mehmed errichtet. In fortlaufender Anpassung an die Bedürfnisse der nachfolgenden Sultane wurde er ständig erweitert und umgebaut.

Später im 16. Jahrhundert wurde der Harem als separater Bereich in den Palast eingefügt, der den Wohnbereich der Konkubinen und Eunuchen beherbergte.

Bis zum 19. Jahrhundert residierten die nachfolgenden Sultane in dieser prächtigen Umgebung, bevor sie in ihren europäischen Prunkpalast am Ufer des Bosporus, den Dolmabahçe-Palast, umzogen.

Nach der Aufhebung der osmanischen Monarchie im Jahr 1922 wurde der Topkapi-Palast auf Anweisung von Mustafa Kemal Atatürk am 3. April 1924 in ein Museum umgewandelt.

Führung durch den Topkapi-Palast in Istanbul

Bevor wir das kaiserliche Tor des Topkapi-Palastes betreten, sollten wir einen Blick auf das kunstvolle Gebäude auf dem gepflasterten Platz davor werfen. Es handelt sich um den Brunnen von Sultan Ahmed III., der 1728 von dem Sultan errichtet wurde, der Tulpen so sehr mochte.

Prachtbrunnen Sultan Ahmeds III. vor dem Topkapi-Palast
Prachtbrunnen Sultan Ahmeds III. – Ein Meisterwerk des türkischen Rokokos

Führung durch den ersten Hof des Topkapi-Palastes

Wir gehen einfach durch das erste Tor in den ersten Hof, der als Hof der Janitscharen bekannt war, denn die Elitetruppe der Sultane hatte hier ihren Sitz. Das Haupttor trägt den exotischen Namen „Tor des vom Paradiesvogel beschatteten Kaisers“ (Bab-ı Hümayun). Ähnlich wie an einem Flughafen finden hier heute Sicherheitskontrollen statt.

Das erste Gebäude auf der linken Seite wurde im 19. Jh. als Polizei-Station errichtet. Lange Zeit beherbergte es das berühmte Konyali Restaurant. Nach einem bedauerlichen Brand im Juli 2023 ist das historische Gebäude derzeit nicht mehr in Betrieb, bleibt aber ein fester Bestandteil der jüngeren Geschichte des Palastes.

Das einstige Konyali Restaurant in der ehemaligen Polizei-Station
Konyali Restaurant in der ehemaligen Polizei-Station vor dem Brand im Jahr 2023.

Das nächste Denkmal nebenan ist das Hagia Irene Museum, eine byzantinische Kirche der Hagia Irene „Kirche des göttlichen Friedens“ (türkisch Aya İrini). Sie wurde unter dem byzantinischen Kaiser Konstantin dem Großen im 4. Jahrhundert als erste Kirche Konstantinopels erbaut und später, in der osmanischen Zeit, wurde sie als Waffenlager genutzt.

Hagia Irene Museum im ersten Hof des Topkapi-Palastes
Hagia Irene: Die Kirche des göttlichen Friedens im ersten Hof

Das dritte Bauwerk weiter nördlich der Kirche ist die ehemalige „Kaiserliche Münze“ (Darphane-i Amire). Der im 18. Jh. errichtete Komplex erstreckt sich über eine Fläche von 17.000 m². Es wurde als Münzprägeanstalt genutzt, bis die Prägestätte 19. Jh. in den Dolmabahçe-Palast verlegt wurde.

Ehemalige kaiserliche Münze (Darphane-i Amire) im Topkapi-Palast
Darphane-i Amire: Die ehemalige kaiserliche Münze im ersten Hof

Die Ticketschalter

Die rechterhand gelegene Hälfte dieses Hofes endet vor einer schlichten Mauer, hinter der sich früher die Palastbäckerei, das berühmte Hospital für die Pagen der Palastschule und weitere Unterkünfte für die Palast-Bediensteten befanden. Die Ticketschalter befinden sich, auf der gleichen Seite, kurz vor dem Tor zum zweiten Hof.

Das zweite Tor führt zum zweiten Hof des Palastes, der für die Verwaltung des Reiches genutzt wurde. In osmanischer Zeit durften nur der Sultan und die Valide Sultan (Mutter des Sultans) zu Pferd durch das Mittlere Tor reiten. Alle anderen, auch der Großwesir, mussten von ihrem Pferd steigen. Das mit Zinnen bestückte „Tor der Begrüßung“ (Bab-üs Selâm) führt in den gebührenpflichtigen Teil des Topkapi-Palast-Museums.

Bab-üs Selam - Das Tor der Begrüßung am Topkapi-Palast
Bab-üs Selam: Das Tor der Begrüßung (Zweites Tor)

In den Wachtürmen auf beiden Seiten befanden sich früher Warteräume für Gesandte, aber auch jene Kerkerzellen, in denen die letzten Stunden der zum Tode Verurteilten schlugen. Die Nischen zu beiden Seiten des Tores waren dazu bestimmt, die Köpfe bedeutender Männer aufzunehmen, nachdem sie der Henker des Sultans wegen wirklicher oder angeblicher Verfehlungen von dem dazugehörigen Leib getrennt hatte.

Der berüchtigte Henkersbrunnen vor dem zweiten Tor des Topkapi-Palastes
Der berüchtigte Henkersbrunnen: Ort der Legenden am Selam-Tor

Die Hinrichtungen erfolgten unmittelbar vor diesem Tor. Der kleine, unauffällige Brunnen zwischen Ticketschaltern und dem Tor wird deshalb als Henkersbrunnen (Cellat Çeşmesi) genannt. Der Vollstrecker wusch sich hier nach getaner Arbeit seine Hände.

Führung durch den zweiten Hof des Topkapi-Palastes

Der zweite Hof hat eine wunderschöne parkähnliche Umgebung. Im Gegensatz zu den typischen europäischen Palästen, die aus einem einzigen großen Gebäude mit umliegenden Gärten bestehen, ist der Topkapi-Palast eine Reihe von Pavillons, Küchen, Kasernen, Audienzräumen und Schlafräumen, die um eine zentrale Anlage herum gebaut sind.

Palastküche

Die monumentalen Palastküchen im zweiten Hof des Topkapi-Palastes
Die kaiserlichen Palastküchen: Wo einst für Tausende gekocht wurde

Auf der rechten (östlichen) Seite des Hofes über die gesamte Länge befindet sich die große Palastküche (Matbah-ı Amire). In Stoßzeiten rauchten hier 20 dicke Schornsteine zum Wohle der Palastbewohner, wo täglich im Durchschnitt 5000 Mahlzeiten zubereitet worden sind.

Die monumentalen Schornsteine der Palastküchen vom zweiten Hof aus gesehen
Blick vom zweiten Hof auf die markanten Schornsteine der Palastküchen

Über Jahrhunderte lang waren hier ungefähr 800 Männer als Küchenpersonal beschäftigt und bei einem Festmahl sowie bei religiösen Festen stieg diese Zahl auf 1000 Männer an. Der jährliche Fleischbedarf dieser Riesenküche belief sich auf ca. 30.000 Hühner, 25.000 Schafe, 15.000 Kälber und jede Menge Obst und Gemüse.

Riesige kupferne Kochkessel und Küchengeräte in der Palastküche
Gigantische Kochkessel und Utensilien: Zeugen der kaiserlichen Festmähler

Die Küche beherbergt heute (nicht ganz unpassend) eine unvergleichlich reichhaltige Sammlung chinesischen Porzellans sowie europäischer Porzellane und Gläser. Diese Sammlung von China Porzellan gilt als die drittgrößte der Welt; was Stückzahl (ca. 12.000 Stücke) und Reichtum der Provenienzen betrifft, und wird nur noch von den Sammlungen in Peking und Dresden übertroffen.

Lebensechte Figur eines Kochs bei der Zubereitung von Helva in der Palastküche
Traditionelle Zubereitung von Helva: Eine lebensechte Szene in der historischen Palastküche

Einen kleinen Teil der riesigen Sammlung von chinesischem Porzellan (Seladonware der Sung und Yüan [960-1368] in Grün), das von den Sultanen nicht nur wegen seiner Schönheit geschätzt wurde, sondern auch, weil es angeblich die Farbe ändert, wenn es mit vergifteten Speisen in Berührung kommt.

Diwan - Der Kaiserliche Ratssaal

Der Diwan und der Turm der Gerechtigkeit im Topkapi-Palast
Der kaiserliche Rat (Diwan) und der Turm der Gerechtigkeit: Symbole der Staatsmacht

Auf der linken (westlichen) Seite des zweiten Hofes befindet sich die prunkvolle Kammer des kaiserlichen Rates (Dîvân-ı Hümâyûn). Hier trat der Rat zusammen, um Staatsangelegenheiten zu besprechen. Hier empfingen auch die Großwesire ausländischen Gesandten. Der einzige Turm des Palastes ist auch hier zu sehen. Da die staatliche Gerechtigkeit von hier aus gesprochen wurde, hieß dieser Turm „Adalet Kulesi“: Turm der Gerechtigkeit

Die vergoldete Fassade und das Portal des Diwan im Topkapi-Palast
Prachtvolle vergoldete Fassade und der Eingang zum kaiserlichen Rat (Diwan)

Der Diwan besteht aus zwei aneinander liegenden Räumlichkeiten: Saal des Rates und nebenan das Amt für Urkunden und Protokolle. Im ersten Raum links tagten früher viermal in der Woche die höchsten Würdenträger (Die Wesire: vergleichbar mit einem Minister) des Imperiums. Der Großwesir (Ministerpräsident) saß gegenüber der heutigen Eingangstür. Oberhalb seines Platzes sieht man eine vergitterte Fensteröffnung, wo der Sultan gelegentlich den Beratungen lauschte.

Uhrensammlung

Fassade der Uhrensammlung im ehemaligen Archivgebäude des Topkapi-Palastes
Die Uhrensammlung im historischen Gebäude des ehemaligen Archivs.

Im Raum nebenan rechts, wo früher alle Dokumente aufbewahrt wurden (Urkundenamt), sind heute Uhren aus der Palastsammlung ausgestellt. Die Räumlichkeit beherbergt eine faszinierende Uhrensammlung aus allen Epochen (380 Stück).

Diese Sammlung umfasst sowohl meisterhafte osmanische Zeitmesser als auch prachtvolle europäische Uhren, die oft als diplomatische Geschenke den Weg in den Palast fanden. Die Exponate zeigen die bewundernswerte Entwicklung der Uhrmacherkunst über Jahrhunderte und spiegeln die engen diplomatischen Beziehungen des Reiches wider.

Prunkvolle Glashütte Taschenuhr von A. Lange & Söhne – Geschenk von Kaiser Wilhelm II.
Die prachtvolle Taschenuhr von A. Lange & Söhne (Glashütte)

Bemerkenswert ist das Uhrwerk vom Cartier in einer kleinen grünen Vase (vor dem Ausgang rechts) und auch die prunkvolle Taschenuhr, ein Geschenk von Kaiser Wilhelm II. an den osmanischen Sultan Abdülhamid II. (vor dem Ausgang links). Sie ist mit dem Bild des Kaiser Wilhelms verziert und mit Brillanten und Rubinen geschmückt. Diese Taschenuhr wurde von A. Lange und Söhne aus Glashütte in Sachsen hergestellt.

Waffensammlung

Das Gebäude der ehemaligen Staatskasse, heute die Waffensammlung im Topkapi-Palast
Die kaiserliche Waffensammlung im historischen Gebäude des Reichsschatzes

Die Abteilung der Waffensammlung schließt sich an diese Räume an. Das Gebäude mit stark vergitterten vier Fenstern beherbergt heute eine reichhaltige Waffensammlung. Eine interessante Sammlung von Waffen und Rüstungen aus den Beständen des Palastes, vieles aus dem Besitz der Sultane selbst, dazu einzigartige Wertgegenstände aus Europa, dem fernen Asien und Afrika, die türkische Sammlungen bereichern.

Ausstellung historischer Waffen im Topkapi-Palast: Bögen, Pfeile und Streitkolben
Einblick in die Waffensammlung: Osmanische Reflexbogen, Köcher, Pfeile und Streitkolben

Hier in diesem großen Raum wurde früher der Reichsschatz aufbewahrt, wo die Steuern und Tribute aus den Provinzen zusammenströmten. Auf diese Weise stand er dem Reichsrat an den vierteljährlichen Zahltagen zur Verfügung. Es wurde auch verwendet, um Geld an Staatsbeamten, Janitscharen und andere Empfänger auszuzahlen. Was am Ende eines Vierteljahres noch nicht ausgegeben war, wanderte in die Privatkasse des Sultans, die in bestimmten Räumlichkeiten im dritten Hof aufbewahrt wurde (Heutige Schatzkammer Ausstellung im dritten Hof).

Eine Führung durch den Harem

Das Früchtezimmer (Yemiş Odası) im Harem des Topkapi-Palastes
Das Früchtezimmer (Yemiş Odası) – Das prachtvolle Privatzimmer von Sultan Ahmed III.

Wir gehen zur Säulenhalle des Diwan zurück und gelangen zu einem Tor, das unmittelbar unter dem „Gerechtigkeitsturm“ liegt, das sogenannte „Equipagentor“; eine der Hauptzugänge zum Harem. Er heißt mit türkischen Namen „Arabalar Kapısı“ (Tor der Kutscher) weil hier die Haremsdamen von einer Kutsche abgeholt wurden, um unter Aufsicht in die Stadt zu fahren.

Wenn Sie den Harem besuchen möchten - und das empfehlen wir auch sehr -, müssen Sie eine zusätzliche Eintrittskarte kaufen. Die Besucherroute durch den Harem ändert sich, wenn Räume wegen Restaurierungs- oder Stabilisierungsarbeiten geschlossen sind, so dass einige der hier genannten Bereiche während Ihres Besuchs möglicherweise nicht geöffnet sind.

Errichtet wurde der Harem in der Mitte des 16. Jh. unter Sultan Süleyman I. Der Harem der vorherigen Sultane befand sich im inzwischen abgerissenen „Eski Saray“ (Altes Serail) in der Nähe des heutigen Beyazit-Platzes (Theodosius-Forum). Ein verwirrendes, immer wieder umgebautes, vergrößertes Labyrinth aus schmalen Gängen und Treppen, dunklen Korridoren und Höfen, aus ca. 400 verschachtelten Räumen, Bibliotheken, Schulen, Hospitälern, Bädern usw. Der auf mehrere Etagen verteilte Harem-Komplex hatte eine Fläche von insgesamt 6700 m².

Der Hof der Schwarzen Eunuchen im Harem des Topkapi-Palastes mit seinen blauen Fliesen
Hof der Schwarzen Eunuchen: Der beeindruckende Eingangsbereich zum Harem

Man betritt den Harem durch das Tor der Kutscher. Man kommt in den mit Fliesen geschmückten Wachraum der Schwarzen Eunuchen. Auf der linken Seite liegt die kleine, bis zur Decke vollständig ausgekachelte Moschee der Schwarzen Eunuchen, deren Kacheln aus dem 17. Jahrhundert Darstellungen von Mekka zeigen.

Hinter diesem Raum befindet sich der Hof der Schwarzen Eunuchen, der ebenfalls mit Kütahya-Kacheln verziert ist. Hinter der Marmorkolonnade auf der linken Seite befinden sich die Gemächer der Schwarzen Ober-Eunuchen (türk. Kızlar Ağası). Anfangs wurden im Harem weiße Eunuchen eingesetzt, doch später übernahmen schwarze Eunuchen, die vom osmanischen Gouverneur von Ägypten als Geschenk geschickt wurden, die Kontrolle. Bis zu 200 lebten hier, bewachten die Türen und bedienten die Frauen des Harems.

Antiker Marmortisch vor einer historischen Ziegelwand in den Korridoren des Harems
Ein eleganter Marmortisch vor dem charakteristischen Ziegelmauerwerk im Harem

Am Ende des offenen Hofes befindet sich das Haupttor in den eigentlichen Harem. Der erste Raum hinter dem Tor ist wieder der Raum der Wache. Links davon liegt ein schmaler, langer Gang mit einem langen Marmortisch. Dieser diente als wichtige Schnittstelle für die Palastlogistik.

Aus Sicherheitsgründen durften die Köche der großen Palastküche den Harem nicht betreten; sie stellten die Speisen auf diesem Tisch ab, von wo aus sie dann durch das Harems-Personal entgegengenommen und ins Innere getragen wurden. Gleichzeitig wurde der Tisch genutzt, um das Essen warmzuhalten. Dieser Korridor dient als Zugang zum Hof der Konkubinen.

Hof der Konkubinen im Harem des Topkapi-Palastes – Der zentrale Lebensbereich
Der Hof der Konkubinen: Umgeben von Säulengängen und den ehemaligen Wohnquartieren

Auf der anderen Seite des Korridors der Konkubinen befindet sich ein mit einem Kachelkamin geschmückter Raum, gefolgt von den Gemächern der Sultansmutter, dem Machtzentrum des Harems. Von diesen prunkvollen Räumen aus beaufsichtigte und kontrollierte die Sultansmutter ihre große „Familie“. Besonders erwähnenswert ist der Raum der Sultansmutter mit seinen schönen Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert, die idyllische Ansichten von Istanbul zeigen. Allein als Person war die Mutter des regierenden Sultans die mächtigste Frau im Harem und ihre Wohnstätte beherbergte 40 Räume.

Hinter dem Hof der Sultansmutter befindet sich der prächtige kaiserliche Saal (Hünkar Sofası), der größte Thron- und Empfangssaal im Harem. Zugang hatten hier nur die Valide Sultan, die Prinzen und die hochrangigen Konkubinen. Hier empfing der Sultan auch seine vertraute und befreundete Gäste. Durch einen geheimen Gang hinter dem Spiegelschrank konnte der Sultan im Notfall in den anderen Raum wechseln.

Die blau-weißen Kacheln an den Wänden wurden aus Holland (Delft) geliefert. Die Spiegel sind aus venezianischem Kristall, die vergoldeten Sessel wurden von Kaiser Wilhelm II. und die Standuhren von der britischen Königin Victoria geschenkt.

Der Kaiserliche Saal (Hünkâr Sofası) – Der größte und prachtvollste Raum im Harem
Der Kaiserliche Saal (Hünkâr Sofası) – Ort für festliche Zeremonien im Harem

In der Nähe befindet sich das Privatgemach Sultan Murads III, einer der glanzvollsten Räume des Palastes. Es wird angenommen, dass dieser eindrucksvolle Saal ein Entwurf vom berühmten osmanischen Architekten Sinan ist. Die aus dem Jahr 1578 stammende Dekoration ist fast vollständig original geblieben.

Der restaurierte dreistufige Marmorbrunnen wurde so gestaltet, dass er das Geräusch von herabstürzendem Wasser erzeugt und es schwierig macht, die Gespräche des Sultans zu belauschen. Die vergoldeten, überdachten Sitzbereiche wurden später im 18. Jahrhundert hinzugefügt.

Prachtvoller Marmorbrunnen im Privatgemach von Sultan Murad III.
Der prunkvoller Marmorbrunnen im Gemach von Sultan Murad III.

Durch den Murads-Saal kommen wir zu einem Doppelpavillon, der häufig auch „Trakt der Kronprinzen“ genannt wird. In diesen beiden kunstvoll eingerichteten Zimmern mussten die Prinzen isoliert in Einsamkeit leben. Sie besitzen geschmackvolle bunte Glasfenster und farbenprächtige Fayencen.

Wenn wir den Saal der Prinzen verlassen, sehen wir auf der linken Seite den „Gözdeler Taşlığı“ (Hof der Favoritinnen). Die Wohnungen der Lieblingsfrauen der Sultane lagen oberhalb der Arkadengänge auf der rechten Seite. Die Sultane sollten hier gerne gesessen und dabei die Aussicht ihrer Stadt genossen haben.

Der Hof der Favoritinnen im Harem des Topkapi-Palastes
Hof der Favoritinnen: Weitläufiger Terrassenhof mit Appartements der Haremsdamen

Nun sind wir fast am Ende des Harems. Weiter vorne rechts erblicken wir einen fast 50 m langen Korridor, den berühmten „Goldenen Weg“. An religiösen Festtagen und Inthronisationen sowie nach der Rückkehr aus erfolgreichen Schlachten erfreuten die Sultane die hier auf sie wartenden Haremsdamen mit Goldstücken, die sie auf den Weg streuten.

Der Goldene Weg im Harem des Topkapi-Palastes
Goldener Weg: Historischer Verbindungsgang zwischen Harem und Sultansgemächern

Am Ende des „Goldenen Weges“ links verlassen wir den Harem durch das s.g. „Kuşhane Kapısı“ (Vogelhaus-Tor) und gelangen in den dritten Hof. Bevor wir im dritten Hof weitergehen, kehren wir lieber zur Säulenhalle des Diwans (zweiter Hof) zurück, wo wir mit unserem Harem-Besuch begonnen haben.

Führung durch den dritten Hof des Topkapi Palastes

Der dritte Hof des Topkapi Palastes wird durch das Tor der Glückseligkeit „Bâbüssaâde“ betreten. Auch dieses Tor stammt aus der Zeit des Eroberers, welches allerdings im späten 16. Jh. wiederaufgebaut wurde und im 18. Jh. eine komplett neue Ausstattung im Dekor des Rokokos erhielt. Bei der Inthronisierung und an den Festtagen saß hier der Sultan „Padişah“ auf seinem smaragdbesetzten Goldthron und nahm die Huldigungen seiner Untertanen entgegen. Ohne eine Sondererlaubnis durfte niemand den dritten Hof betreten. Es war der Privatbereich des Sultans und wurde von weißen Eunuchen besetzt und bewacht.

Das Tor der Glückseligkeit (Bâbüssaâde) im Topkapi-Palast
Tor der Glückseligkeit (Bâbüssaâde) – Zeremonieller Eingang zum Inneren Palasthof

Im Inneren befindet sich das „Arz Odası“, der Audienzsaal, der im 16. Jahrhundert erbaut und im 18. Jahrhundert renoviert wurde. Wichtige Beamte und ausländische Botschafter wurden in diesen Saal gebracht, um die hohen Staatsgeschäfte zu erledigen. Der Sultan, der auf einem riesigen Diwan saß, prüfte die Geschenke und Gaben der Botschafter, wenn sie durch das Tor auf der linken Seite gingen.

Der Audienzsaal (Arz Odası) im dritten Hof des Topkapi-Palastes
Audienzsaal: Ort der herrscherlichen Empfänge im dritten Hof

Nach jeder Sitzung des Diwans fand hier auch die Abschlusszeremonie statt; hier wartete der Großwesir mit den anderen Würdenträgern auf den Sultan, um ihm über die Geschäfte Bericht zu erstatten und ihre Entscheidungen zu erläutern. Nachdem ihnen der Großherr zustimmte, konnten diese Entscheidungen ihren Lauf nehmen. Während des Empfangs floss aus dem am Eingang gebauten Brunnen (rechts vor dem Eingang) Wasser, damit die geheimen Gespräche des Sultans außerhalb nicht gehört werden konnten. Direkt hinter dem Audienzsaal befindet sich die hübsche Bibliothek Sultan Ahmeds III. aus dem Jahr 1719.

Bibliothek von Sultan Ahmed III. im Topkapi-Palast
Bibliothek Sultan Ahmeds III. – Meisterwerk der osmanischen Architektur des 18. Jahrhunderts

Enderun Mektebi (Palastschule)

Zu beiden Seiten des Tors der „Glückseligkeit“ befinden sich die Räume der „Weißen Eunuchen“, die für die Leitung und Ordnung der Palastschule (Enderun) zuständig waren. Denn, abgesehen vom Thronraum, der Schatzkammer und dem Pavillon des Heiligen Mantels, gehörten alle Gebäude des dritten Hofes zum Komplex einer Eliteschule.

„Enderun“ war ein osmanisches Ausbildungssystem für die christlichen Untertanen, die durch eine Knabenlese ausgesondert und in der islamisch-osmanischen Kultur unterrichtet wurden, um in verschiedenen Posten als persönliche Diener des Sultans und des osmanischen Staats zu dienen. Später wurden auch muslimische Lehrjungen aufgenommen.

Gegenüber des Audienzsaals zu beiden Seiten befanden sich auch die Abteilungen für die Grundschulung. Zeigte einer der Schüler ein besonderes Talent, so wurde er in eine der weiteren vier Ausleseschulen im dritten Hof versetzt.

Marmorbrunnen an der Bibliothek Sultan Ahmeds III.
Marmorbrunnen der Bibliothek: Filigrane Steinmetzkunst im Enderun-Hof

In jeder Abteilung unterrichteten zwölf Lehrer und die Jungen trugen entsprechend ihren Leistungsstufen unterschiedliche Kleidungen. Diese auf einem durchdachten Auslesesystem beruhende Schule für die Weiterbildung zu den höheren Staatsämtern dürfte in der islamischen Welt einzig dastehen.

Zwischen 1000 und 2000 Schüler haben hier studiert. Im Laufe der Zeit änderte sich zwar der Lehrplan, aber die Fächer wurden generell in fünf Themenbereichen unterteilt:

  1. Islamische Wissenschaften und Sprachunterricht (Osmanisch, Arabisch und Persisch)
  2. Jura, Verwaltung, Geschichte, Gepflogenheiten des Palastes und Staats
  3. Naturwissenschaften wie Mathematik, Denklehre (Logik) und Geografie
  4. Berufliche Ausbildung, inklusive Kunst- und Musikunterricht
  5. Leibeserziehung, inklusive Waffen-Sachkunde und Waffentraining

Ausstellungen im dritten Hof

Kaiserliche Gewändersammlung

Wer sich vom „Tor der Glückseligkeit“ aus nach rechts wendet, gelangt an der Gewänder-Sammlung, der eine kuppelüberwölbte Arkadenhalle mit bemerkenswerten byzantinischen Säulen vorgelagert ist. Die Sammlung besteht aus zwei hintereinander gelegenen länglichen Räumen.

Kinderkaftan von Sultan Mehmed dem Eroberer im Topkapi-Palast
Kinderkaftan Mehmeds des Eroberers: Kaiserliche Gewändersammlung

Über 1300 Gewänder verstorbener Sultane wurden im Topkapi Serail aufbewahrt, doch sind nur die kostümgeschichtlich und/oder textilkünstlerisch interessantesten Exemplare in den Vitrinen. Diese Kleider wurden aus in Palastmanufakturen hergestellten handgewebten Stoffen genäht und wurden seit dem 15. Jahrhundert mit großer Sorgfalt aufbewahrt.

Osmanischer Prinzenkaftan aus der Gewändersammlung im Topkapi-Palast
Osmanischer Prinzenkaftan: Kostbarkeit der kaiserlichen Garderobe

In diesen Räumlichkeiten werden heute die Prachtgewänder in Istanbul residierten Sultane ausgestellt, die aus wertvollen Stoffen (Atlas, Seide, Brokat, Samt) gearbeitet sind. Sehr zu bewundern sind die Sultans-Gewänder im Kaftan-Schnitt und die Prinzen-Gewänder. Ihre Kondition ist so gut, dass man glauben könnte, ihre Träger hätten sie gerade ausgezogen.

Topkapi-Palast - Die Schatzkammer

Dieses Gebäude nebenan wurde unter Mehmed dem Eroberer als Sommerpalast erbaut. Er, wie auch seine Nachfolger, gab in diesen Räumen Audienzen. Später wurde das Gebäude als Schatzkammer des Topkapi-Palastes eingerichtet. Diese vier Räume bargen das „Privatvermögen“ der osmanischen Sultane, deren Schätze so stark zunahmen, dass später auch die oberen Räume dafür genutzt werden mussten. Es ist bemerkenswert, dass der Reichtum der osmanischen Schatzkammer oft durch die Beute erfolgreicher Feldzüge und diplomatische Geschenke aus aller Welt anwuchs.

Die Sultane der osmanischen Dynastie sammelten so unermessliche Reichtümer, dass die Schatzkammer des heutigen Topkapi-Palast-Museums die reichhaltigste Sammlung der Welt besitzt. Sie wurden teils als Geschenke ausländischer Regenten, teils als Tribute oder auch als eingekaufte Stücke in den Palast eingeführt. Außerdem, alle in diesen Räumlichkeiten ausgestellten Stücke sind authentisch und original.

Die wichtigsten Exponate der Schatzkammer im Überblick:

Throne in der Schatzkammer

Goldthron von Sultan Murad III. in der Schatzkammer des Topkapi-Palastes
Goldthron: Prunkstück der kaiserlichen Schatzkammer

Der prachtvolle, 250 kg schwere Goldthron beeindruckt durch seinen reichen Besatz mit Chrysolithen (Türkisch: Zebercet), die durch ihr tiefgrünes Funkeln an Smaragde erinnern. Dieser Thron wurde bei feierlichen Anlässen und Thronbesteigungen bis in die letzten Jahre des Osmanischen Reiches verwendet.

Thron des Schah Nadir im Topkapi-Palast
Thron Sultan Mahmuds I. – Prunkvoller Thron im indisch-mogulischen Stil

Der Thron des Schah Nadir. Der mit mehr als 20.000 Perlen verzierte goldene Thron war ein Geschenk vom persischen Schah Nadir an Sultan Mahmut I. Er wurde vom Schah Nadir, als Beute von seiner Expedition nach Indien mitgebracht und wurde im 18. Jh. als Zeichen der Freundschaft dem osmanischen Sultan geschenkt.

Weitere hochwertige Schätze in der Schatzkammer:

Topkapi-Dolch

Der legendäre Topkapi-Dolch mit Smaragden in der Schatzkammer
Topkapi-Dolch: Legendärer Prunkdolch mit den drei großen Smaragden

Den weltberühmten Star Topkapi-Dolch aus dem Film „Topkapi“ findet man auch hier. „Topkapi“ ist ein amerikanischer Krimi-Thriller mit Melina Mercouri, Maximilian Schell und Peter Ustinov aus dem Jahr 1964. Ein Trickbetrüger lässt sich mit einer Gruppe von Gangstern ein, die den Topkapi-Dolch aus dem Topkapi-Palast-Museum in Istanbul stehlen wollen.

Die tatsächliche Geschichte des Dolches ist ebenso spannend: Er war als diplomatischer Gegenzug für den prachtvollen Thron gedacht, den Schah Nadir dem Sultan zuvor geschenkt hatte. Doch das kostbare Geschenk, dessen goldener Griff mit drei riesigen Smaragden besetzt ist, erreichte seinen Empfänger nie. Während die Gesandten mit dem Dolch auf dem Weg nach Persien waren, wurde der Schah bei einem Aufstand getötet, woraufhin das Meisterwerk in die kaiserliche Schatzkammer zurückkehrte.

Topkapi-Palast Diamant: Der legendäre Löffelmacher-Diamant

Topkapi-Palast Diamant – Der 86-karätige Löffelmacher-Diamant
Löffelmacher-Diamant (Kaşıkçı Elması) – Legendärer 86-Karäter

Die Schatzkammer im Topkapi-Palast beherbergt auch den 86-karätigen sog. „Topkapi-Palast Diamant“, der mit 49 Brillanten umrahmt ist. Die Türken nennen ihn „Kaşıkçı Elması“: Löffelmacher-Diamant. Im Jahre 1774 kaufte ein französischer Offizier namens Pigot diesen wertvollen Diamanten von einem indischen Großfürsten und brachte ihn aus Indien nach Frankreich. Er wurde bei einer öffentlichen Auktion von Napoleons Mutter gekauft. Als ihr Sohn Napoleon Bonaparte im Exil war, verkaufte sie dann all ihre Juwelen, u. a. auch den Diamanten, um ihn zu befreien.

Dabei kaufte ein osmanischer Gouverneur namens Ali Pascha diesen Diamanten. Als aber Ali Pascha an einem Aufstand gegen den osmanischen Sultan Mahmut II. teilnahm, wurde er vom Sultan zum Tode verurteilt und so kam der Löffelmacher-Diamant im 19. Jh. in die Schatzkammer des Topkapi-Serails.

Prunkvolle Scheich-Figur

Scheich-Figur aus Barockperlen in der Topkapi-Schatzkammer
Scheich-Figur: Kostbarkeit aus Gold, Diamanten und riesigen Barockperlen

Eines der berühmten Werke der Schatzkammer ist die unvergleichlich schöne Wasserpfeife rauchende „Scheich-Figur“ die unter einem Baldachin ausgestellt wird. Der Scheich und sein Sklave nebenan verdienen eine besondere Beachtung, weil der Körper dieser Scheich-Figur und die Beine des Sklaven, jeweils aus einem recht großen Perlenstück bearbeitet sind.

Massive goldene Kerzenständer

Diamantbesetzte goldene Kerzenständer in der Topkapi-Schatzkammer
Goldene Prachtkerzenständer: Mit tausenden Diamanten besetzte Meisterwerke

Weiter stehen hier zwei Kerzenständer in Schulterhöhe (1,40 m) aus je 48 kg Gold und mit 6666 Stück Brillanten geschmückt. Einzelne brillanten Stücke entsprechen Koranversen, denn das Koran-Buch umfasst 114 Kapitel, Suren genannt, und rund 6666 Versen.

Heilige Islamische Reliquien: Pavillon des Heiligen Mantels

Zentrum der Heiligen Islamischen Reliquien im Topkapi-Palast
Has Oda: Die Privatgemächer des Sultans und Hüter der Heiligen Reliquien

Nach der Eroberung Ägyptens durch den osmanischen Sultan Selim I. im 1517, wurden die heiligen Reliquien des Islams aus dem Besitz des letzten Kalifen in das Topkapi-Serail gebracht. Seitdem werden diese verehrungswürdigen Gebrauchsgegenstände in dieser Abteilung aufbewahrt. Das wertvollste Gut dieser Erinnerungsstücke ist der Mantel des Propheten Mohammed (Hırka-i Saadet), nach dem der Pavillon benannt wurde.

Jahrhundertelang wurden sie hier mit religiöser Begeisterung verwahrt und bewacht und bei zeremoniellen Feierlichkeiten wurden sie dem Sultan, seiner Familie und den engen Vertrauten zur frommen Beachtung gezeigt. Es wird vermutet, dass dieser Trakt in der Ecke des dritten Hofes, zu jener Zeit überwiegend als Thronsaal benutzt wurde. Erst 1962 wurden diese wertvolle Stücke dem Publikum zugänglich gemacht und in ihrer heutigen Ausstattung ausgestellt.

Goldene Regenrinne der Kaaba aus Mekka im Topkapi-Palast
Goldene Regenrinne der Kaaba: Heiligtum aus Mekka

Der Pavillon des Heiligen Mantels und die anschließenden kuppelüberspannten Räume werden heute zugleich als eine muslimische Pilgerstätte betrachtet. In diesen Räumlichkeiten werden Schwerter der ersten vier Kalifen Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali; ein Teil des Kaaba-Tores vom Heiligtum in Mekka; zwei goldene Regenrinnen wiederum aus Kaaba; ein schönes Exemplar aus Perlmutt von der Omar-Moschee in Jerusalem und beachtenswerte alte handgeschriebene Korane zur Schau gestellt.

Heiliger Fußabdruck des Propheten Mohammed (Kadem-i Şerif) im Topkapi-Palast
Heiliger Fußabdruck des Propheten Mohammeds auf Stein

Wir sehen das goldene Gehäuse des Heiligen Steines „Hacer äl Esved" (Schwarzer Stein), den vom Himmel gefallenen Meteorit der Kaaba. In weiteren Sondervitrinen sind die persönlichen Hinterlassenschaften, aber auch Relikten des Propheten Mohammeds ausgestellt; wie sein Handsiegel aus Bernstein, sein Fußabdruck, sein Brief geschrieben auf Gazellenleder und Haare von seinem Bart.

Führung durch den vierten Hof des Topkapi Palastes

Von dem dritten Hof des Serails gelangt man durch drei Durchgänge in den vierten Hof, einer der schönsten Orte des Palastes, der mit schönen Pavillons, Gärten und Terrassen ausgestattet ist. Im Grunde genommen ist der vierte Hof gar kein Hof, sondern ein schöner Garten mit terrassenförmigen Abstufungen, aufgelockert durch Pavillons. Dieser Hof war im Großen und Ganzen ein Lustgarten des Sultans.

Wir bleiben rechts (Ostseite) und kommen auf eine schöne Aussichtsterrasse, wo wir das Marmarameer bis zu den Prinzeninseln, die asiatische Seite Istanbuls und die Einfahrt in den Bosporus erblicken. Auf der rechten Seite befindet sich eine kleine Moschee, die Sofa Moschee (Terrassen-Moschee), die von Sultan Mahmut dem II. im 19 Jh. errichtet und später durch Sultan Abdülmecid neu aufgebaut wurde.

Mecidiye Köşkü: Der Prachtpavillon von Sultan Abdülmecid I.

Mecidiye-Kiosk im Topkapi-Palast
Mecidiye Köşkü: Ein spätosmanisches Belvedere von Sultan Abdülmecid I.

Weiter vorne sehen wir den „Mecidiye Köşkü“, (Prachtpavillon des Abdülmecid I.) der letzte Bau, der zur baulichen Bereicherung des Sultans-Palastes errichtet wurde. Sultan Abdülmecid ließ ihn hier um 1840 errichten, kurz bevor er in seinen neu erbauten Dolmabahçe-Palast am Bosporus umzog. Er repräsentiert den türkischen Baustil, der von der europäischen Architektur des 19. Jahrhunderts beeinflusst wurde.

Turm des obersten Arztes

Hekimbaşı-Turm (Turm des obersten Arztes) im Topkapi-Palast
Sitz des kaiserlichen Leibarztes und Hofapotheke

In der Mitte des Hofes erhebt sich der Hekimbaşı-Turm (Turm des obersten Arztes), der ein zusätzliches Obergeschoss besaß. Dieses historische Gebäude diente als Arbeits- und Behandlungsraum des Leibarztes, der für die Gesundheit des Sultans und seiner Familie verantwortlich war.

Dem Turm angeschlossen war eine Hofapotheke, in der kostbare Arzneimittel und Tinkturen für die Palastbewohner hergestellt wurden. Eine interessante historische Besonderheit: Lange Zeit wurden diese prestigeträchtigen Posten bevorzugt an hochqualifizierte jüdische Leibärzte vergeben. an hochqualifizierte jüdische Leibärzte vergeben wurden

Tulpengarten von Sultan Ahmet III.

Winteransicht des Tulpengartens im Topkapi-Palast
Winteransicht des historischen Tulpengartens von Sultan Ahmed III.

Links an diesem Turm vorbei führt eine Treppe hinauf in jenen Teil des Parks, der einst den prächtigen Tulpengarten von Sultan Ahmed III. beherbergte. Hier fanden die berühmten Tulpenfeste der „Lale Devri“ (Tulpenzeit) statt. Diese Ära zwischen 1718 und 1730 stand ganz im Zeichen von Kunst, Kultur und Lebensgenuss. Dieses kostbare Erbe macht den Garten auch heute noch zu einer gepflegten Oase der Ruhe.

Die Tulpe, die ursprünglich aus Zentralasien stammt und über das Osmanische Reich nach Europa gelangte, war damals weit mehr als nur eine Blume: Sie war ein kostbares Symbol für Reichtum, Vornehmheit und den hohen ästhetischen Anspruch des Hofes.

Sofa Köşkü: Ein herrschaftlicher Holzpavillon auf der Terrasse

Sofa-Kiosk (Sofa Köşkü) im vierten Hof des Topkapi-Palastes
Sofa Köşkü: Ein Juwel der osmanischen Zivilarchitektur

An seiner rechten (nördlichen) Seite liegt ein reizvolles Rokoko-Köschk, bekannt als „Sofa Köşkü“ (Sofa Kiosk). Das deutsche Wort „Kiosk“, von französischen „Kiosque“ (Gartenpavillon) entlehnt, leitet sich davon ab. Er wurde Anfang des 18. Jahrhunderts unter Sultan Ahmet III. aufgebaut. Er diente einst als Ruheraum des Sultans und beherbergte später Gäste während der Tulpenzeit.

Das marmorne Brunnenbecken im vierten Hof des Topkapi-Palastes
Das marmorne Brunnenbecken auf der Terrasse (Sofa-i Hümayun)

Iftariye-Baldachin am Goldenen Horn

Am Gartenpavillon vorbei steigen wir die Marmortreppen hinauf und gelangen auf eine Terrasse mit einem fantastischen Blick auf das Goldene Horn. Die Balustrade dieser Marmorterrasse wird durch die „Iftariye“ akzentuiert: Ein Balkon mit vergoldetem Baldachin, den Sultan İbrahim im Jahre 1640 errichten ließ.

Hier pflegte der Sultan während des Fastenmonats Ramadan nach Sonnenuntergang sein Fasten zu brechen. Dieser luftige, schattige Aussichtspunkt verdankt seinen Namen dem türkischen Wort „Iftar“, das das gemeinschaftliche Abendmahl nach einem Fastentag bezeichnet.

Iftariye-Baldachin mit Blick auf das Goldene Horn
Vergoldete Laube mit Blick auf das Goldene Horn

Bagdad-Pavillon (Bağdat Köşkü)

Rechts von der Terrasse liegt der „Bağdat Köşkü“ oder Bagdad-Pavillon, den der Sultan Murat IV. im 17. Jh. zum Gedenken an die Eroberung von Bagdad errichten liess. Es hat einen kreuzförmigen Plan, ist innen wie außen mit blau-weißen Fayencen verkleidet. Der Pavillon ist mit Säulenhalle umgeben, die einen herrlichen Blick auf die Mündung des Goldenen Horns bietet. Der wuchtige Bronzekamin in dessen Inneren zeugt von feiner Handwerkskunst. Die Kuppel ist auf Ledergrund in Karminrot nuanciert ausgemahlt und mit reichen Ornamenten verziert.

Bagdad-Kiosk im vierten Hof des Topkapi-Palastes
Bagdad-Pavillon: Ein Meisterwerk der osmanischen Architektur und Fliesenkunst

Revan-Pavillon (Revan Köşkü)

Gleich links an den Treppen befindet sich der Revan-Kiosk (Revan Köşkü), den Sultan Murad IV. zur Erinnerung an den Sieg über Eriwan im Jahre 1635 errichten ließ. Architekturhistorisch besticht dieser Pavillon durch seine exquisiten Fliesenverzierungen an den Innen- und Außenwänden, die feinen Intarsienarbeiten an den Türen sowie die prächtigen Kuppelmalereien.

Revan Köşkü (Eriwan-Pavillon) im Topkapi-Palast
Revan-Pavillon: Prachtbau zum Gedenken an die Eroberung von Eriwan

Im Inneren ist heute ein besonderes Juwel zu bewundern: der prunkvolle Baldachinthron Sultan Ahmeds I. Dieses Meisterwerk wird Sedefkâr Mehmed Ağa zugeschrieben, dem Architekten der berühmten Blauen Moschee. Der Thron ist überreich mit Edelsteinen, Perlmutt, Elfenbein und edlem Schildpatt verziert. Dieses aus dem Hornpanzer der Meeresschildkröte gewonnene Material wurde wegen seines tiefen, warmen Glanzes über Jahrhunderte hochgeschätzt.

Prunkthron von Sultan Ahmed I. mit Perlmutt-Einlagen
Der Prunkthron Sultan Ahmeds I. – Ein Meisterwerk aus Perlmutt, Elfenbein und Schildpatt

Der Thron ist nicht nur ein Zeugnis für die handwerkliche Brillanz jener Ära, sondern spiegelt auch jenen ästhetischen Reichtum wider, der die gesamte klassische Epoche der osmanischen Kunst prägte. Es war dieser Hintergrund als Kunsthandwerker, der es Baumeistern wie Sedefkâr Mehmed Ağa ermöglichte, die Blauen Moschee mit dem präzisen Auge eines Perlmuttkünstlers („Sedefkâr“) zu gestalten. So schuf er nicht nur ein monumentales Bauwerk, sondern ein bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Schmuckkästchen.

Wie lange braucht man für Topkapi-Palast?

Für den Besuch des Topkapi-Palastes sollte man mindestens zwei bis drei Stunden einplanen. Die weitläufige Palastanlage mit ihren vier Höfen, dem Harem, der Schatzkammer und der Porzellansammlung in der großen Palastküche bietet einen eindrucksvollen Einblick in die osmanische Geschichte. Wer sich Zeit nimmt, kann die bedeutenden Ausstellungen und die besondere Atmosphäre dieses historischen Ortes in Ruhe genießen.


Topkapi-Palast Öffnungszeiten in 2026

Ein Blick auf die Topkapi-Palast Öffnungszeiten hilft Ihnen, unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Mit aktuellen Informationen zu den saisonalen Besuchszeiten im Sommer und Winter lässt sich Ihr Aufenthalt optimal vorab planen.

Täglich geöffnet außer dienstags.

Öffnungszeiten:

Winter: 30. Oktober bis 15. April
09:00 bis 17:00 Uhr
Sommer: 16. April bis 29. Oktober
09:00 bis 18:00 Uhr

Schließtage:

Dienstags geschlossen
Religiöse Feiertage:
  - Der erste Tag des Ramadanfestes
  - Der erste Tag des Opferfestes

Öffnungszeiten aller Top-Sehenswürdigkeiten in Istanbul: 2026

Termine für Ramadanfest und Opferfest in den nächsten Jahren

Planen Sie Ihren Besuch im Topkapi-Palast am besten im Voraus, insbesondere rund um religiöse Feiertage. So vermeiden Sie Überraschungen bei Öffnungszeiten. Eine Übersicht zu Ramadanfest und Opferfest finden Sie hier.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Topkapi-Palastes in Istanbul

In der Nähe des Topkapi-Palastes gibt es weitere Sehenswürdigkeiten, die Sie in 5 bis 10 Minuten zu Fuß erreichen können.

Die Sehenswürdigkeiten in Sultanahmet - Istanbul

Wo ist der Topkapi-Palast in Istanbul?

Wo ist der Topkapi-Palast in Istanbul

Der Topkapi-Palast befindet sich in Sultanahmet, neben der Hagia Sophia.

Die nächstgelegene Straßenbahnstation „Sultanahmet“ (Linie T1) befindet sich etwa fünf Gehminuten von der Hagia Sophia entfernt.

Wie kommt man zum Topkapi-Palast?

Vom Taksim-Platz: Mit der Standseilbahn nach Kabataş (Linie F1). Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Altstadt Hotels: Mit der Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).
Hotels der asiatischen Seite Istanbuls: Mit öffentlichen Fähren nach Eminönü. Dann die Straßenbahn nach Sultanahmet (Linie T1).


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